Verlag von Ernſt Julius Günther in Leipig: (Juni 1869.)
Mäte und Krone.
— Roman in fünf Vänden
von
Herman Schmid.
Preis 4 Thaler.
Serman Schmid, deſſen erzählende Schriften bereits zu den Lieblingsbüchern jedes deutſchen Hauſes gehören, hat hier zum erſten Male ein größeres Werk ge⸗ ſchaffen, in welchem die ebenſo ſpannenden als ergreifenden Gemüths⸗ Vorgänge und Begebenheiten, welche er ſo trefflich zu ſchildern weiß, nicht, wie im „Kanzler von Eyrol', „Friedel und Oswald“ oder „Im Morgenroth““, die Geſchichte, oder wie in „Schwalberl“ oder „Almenrauſch und Edelweiß“, Volksleben und Volks⸗ ſitte der Berge zum Hintergrunde haben. Der Leſer wird hier in die Gegenwart — oder doch in die neue Zeit verſetzt und alle großen Fragen, an deren völliger Löſung die Menſchheit noch jetzt wie vor Jahrhunderten leidet, ſind es, die der Dichter in erſchütternden, bedeutſamen und lebensvollan Bildern an ihm vor⸗ über führt. Dennoch iſt das Buch durchaus kein Tendenzroman, ſondern eine dichteriſche Schöpfung, die wie jedes echte Kunſtwerk nur an und für ſich und nur durch ſich ſelbſt gelten und wirken will; das Allgemein⸗Menſchliche, was ſich darinnen begibt und das zu allen Zeiten wahr bleibt, iſt Sinn und Zweck der Dichtung, und die umgebende Welt iſt nur zum ſinnigen Träger 4 und ſtofflichen Ausdruck benutzt. Soll etwas von dem Grundgedanken des Werkes angedeutet werden, ſo iſt es der, daß es eine Art Fortſetzung des in 3 Marquis Poſa und Don Carlos angeregten Gegenſatzes zwiſchen Fürſt und Bürger 4 bildet, daß aber, weil beide dazu kommen, ihre Freundſchaft wie ihre Ideale und die Wahrhaftigkeit beider im wirklichen Leben erproben zu ſollen, der Gegen⸗ ſatz zu dem in ihm liegenden vollen Conflict ausgearbeitet und zur reinſten Löſung durchgeführt iſt. Wir ſind gewiß, daß dieſer Roman Herman Schmid's mit dem gleichen Beifalle wie ſeine frühern Romane und Erzählungen aufgenommen werden und ebenſo, daß er von keinem derſelben an Einheit des Baus, Mannich⸗ faltigkeit und Pracht der Ausführung, wie an ſpannender Lebendigkeit über⸗ troffen wird.


