Teil eines Werkes 
2. Band (1869)
Entstehung
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Von J. D. H. Temme erſchien ferner in meinem Verlage:

Der Domherr. Hiſtoriſcher Roman.

Vier Bände. Preis 2 Thlr. 20 Agr.

Ueber dieſen ausgezeichneten Roman des hochbegabten und beliebten Schriftſtellers urtheilt eine Recenſion des „Bund“ fol⸗ gendermaßen:

Seitdem in neueſter Zeit die deutſche Entwicklung ein etwas lebhafteres Tempo angenommen, tritt das Beſtreben nach hiſtoriſchen Rückblicken mit Beziehungen zur Tagesgeſchichte immer entſchiedener in der Romanliteratur hervor. Auch die Dichter markiren den kräftigen Schritt der Zeit und geben uns in ihren Werken ein Spiegelbild der Ideen und Beſtrebungen, welche die Gegenwart bewegen. Der Autor des „Domherrn“ iſt ſchon als bewährter politiſcher Charakter dazu berufen, der eben aufkommenden neuen Gattung in der erzählenden Literatur, dem poli⸗ tiſchen Roman, die Bahn zu ebnen; das ungewöhnliche Darſtellungstalent, dem er ſeinen Leſerkreis verdankt, kommt ihm dabei in hohem Maße zu ſtatten. Der „Domherr“ beginnt mit dem Echo der gewaltigen Schlachten, welche auf der bel⸗ giſchen Ebene das Schickſal Napoleon's für immer entſchieden und in deren Folge die trübe Zeit der Reſtauration ſich mit bleiernem Druck über Europa lagerte. Der Roman ſpielt auf der rothen Erde und ſchildert in kräftigen Zügen die Feind⸗ ſeligkeit des zähen Weſtfalen gegen die neue preußiſche Zwangsjacke, ſeinen Widerwillen gegen das hochmüthige Beamtenthum und die emporkommende Junker⸗ herrſchaft, die Enttäuſchung der Jugend, welche, ſieggekrönt aus Frankreich zurück⸗ kehrend, ein einiges, freies Deutſchland anzutreffen hoffte und überall einem ſtrengen despotiſchen Polizeiſtaat begegnete, welcher Würden und Aemter an ſchlaue, ränke⸗ volle Höflinge vergab und die verdienteſten Patrioten ins Elend oder gar in den Kerker ſtieß. Der Gang des Romans iſt dramatiſch lebendig, die Handlung ſpannend, ein Vorzug, der allen Schriften deſſelben Autors zuzuſprechen iſt, vor deſſen unwandelbarer Jugendfriſche mancher jüngere Dichter erröthen dürfte.

cLeipzig, Ernſt Julius Günther.