36
Kind, kennen Sie die Geſchichte der Erbgrafen des gräflich Werdenburgiſchen Hauſes?“
„Ich habe von einem alten Fluche gehört“, ſagte Evchen. „Aber es ſoll Aberglaube ſein.“
„Ja, das iſt Aberglaube“, verſetzte der Ritter. „Laſſen Sie ſich dennoch von ihm erzählen und denken Sie darüber nach; gehen Sie darüber mit Ihrem Herzen zu Rathe und, wenn Ihr Herz es Ihnen nicht wider⸗ räth, auch mit dem Erbgrafen. Und dann werden wir uns wiederſehen. Leben Sie wohl bis dahin.“
Er wollte gehen.
„Darf ich dem Herrn Grafen von Ihnen erzählen, mein Herr?“ fragte Evchen.
„Ihm? Ja!“
Der Johanniterritter drückte damit dem Mädchen die Hand und verließ den Garten.
„Wer iſt er?“ fragte ſich Evchen.
Aber andere Gedanken verdrängten die Frage.
„Warum warnte er mich vor dem Grafen Leopold? Er mußte doch ſein Herz und ſeinen Charakter aner⸗ kennen. Und auch leichtſinnig iſt der Graf Leopold nicht; auch darin thut er ihm Unrecht. Und wenn er nicht zur Regierung käme —“
Sie verſank in Träumereien, die ihr aber das Herz nicht leichter machten.


