Teil eines Werkes 
2. Band (1869)
Entstehung
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bisher nichts gehört, als daß ſie wirklich eine Unglück⸗ liche ſei, welcher der Graf aus Mitleid ein Unterkommen gegeben habe; ihr eigener Onkel hatte ihr das geſagt. Erſt heute hatte ſie in der Stadt im Vogelſang'ſchen Hauſe erfahren, daß die Frau eine zweideutige Aben⸗ teurerin ſein ſolle, die den jungen Erbgrafen beherrſche, und ſie hatte ſelbſt das Treiben der Frau mit den Offizieren geſehen und auch, wie ſchön dieſe Frau von Arenfels war. Das Alles hatte ihr manchen Stich in das Herz verſetzt. Der Graf Leopold hatte ihr nähern Aufſchluß über die Frau verſprochen, aber er hatte das ſchon einmal aufgeſchoben, und wir haben ein latei⸗ niſches Sprichwort: Semper aliquid haeret — von einem Stiche in das Herz bleibt immer etwas zurück.

Eochen Treue war in dem Jagdwagen des Grafen nach Hauſe gekommen.

Sie hatte den jungen Grafen zu erwarten, aber er konnte erſt in einer Stunde eintreffen. Sie konnte bis dahin noch kleine Hausgeſchäfte beſorgen. Sie kleidete ſich um. Sie legte ihre einfache Hauskleidung an. Eochen liebte das Einfache. Daß ſie in ihrem Haus⸗ kleide am ſchonſten war, wußte ſie wohl nicht; wie wenige Mädchen glauben es!