„Ja“, rief der Zeiſiggrüne, „gehen Sie nur. Um⸗ armen Sie ſie auf offener Straße, damit das hohe Familiengericht morgen recht viele Zeugen gegen Sie hat. Freilich wird ja auch die halbe Stadt nachher ſehen, wie der ſaubere erlauchte Herr Erbgraf das ehrſame Bürgermädchen nach Hauſe kutſchirt, und die Leute werden Ach und Weh über das arme Kind rufen, das ſie in des Teufels Krallen ſehen. Wenn die Leute auch mich dabei ſehen — den Namen des ehrlichen Leo⸗ nidas Stapelmann haben Sie ja auch ſchon in der ganzen Gegend in Verruf gebracht; der Menſch, heißt es, iſt der Gelegenheitsmacher, der Laufburſche für alle ſchlechten Streiche des Erbgrafen von Werdenburg. — Nun, warum gehen Sie denn nicht? Fürchten Sie die Zeugen? Es wäre vergebliche Furcht. Ihre gnädige Frau Tante ſah ja ſchon Alles, die Abenteurerin, die Offiziere, Mamſell Evchen, ſah Ihr ganzes Sünden⸗ regiſter bei Ihnen und wird Anklägerin, Zeugin und Richterin zugleich gegen Sie ſein.“
Der Erbgraf ging dennoch Evchen entgegen, aber nicht, um ſie auf offener Straße in ſeine Arme zu nehmen.
Sie kam ernſt, bekümmert, beſorgt.
Keine Schranken, keine Stände mehr! klang es zwar noch freudvoll in ihrem Herzen nach. Alſo auch


