Teil eines Werkes 
3. Band (1867)
Entstehung
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„Es iſt heute Erntefeſt auf Ovelgönne.“

Der Domherr war nachdenklich, ernſt geworden. Sein Blick war faſt trübe, wie von einer alten Erinnerung.

Er ſuchte ſie zu verdrängen.

„Hm, hm“, ſagte er für ſich, „dazu hätte ſie auch mich eingeladen? So dringend? Zum Erntefeſt, zum Tanzen bedarf ſie meines Rathes, meiner Hülfe?“

Dann hatte er ſeinen Humor wieder.

„Da leugne einer den Teufel und die Erbſünde! Soll ich mich nicht freuen, daß das brave Kind, anſtatt Noth und Sorge, in der ſie meiner Hülfe bedürfte, Erntefeſt und Tanz bei ſich hat?“

DOvelgönne lag vor ihnen. Fröhliche Tanzmuſik tönte ihnen von dem Gehöſte entgegen. Die Pferde liefen raſcher dem Gute zu. „ Der Wagen hielt vor dem alten Herrenhauſe, dem alterthümlichen und wunderlichen, aber um ſo beredtern Zeugen der Pietät ſeiner Herrin gegen ihre Vorfahren.

Es lag mit ſeinen grauen Mauern von rohen Feld⸗ ſteinen, mit ſeinen ſchmalen, ſparſam im Zickzack zerſtren— ten Fenſtern darin, mit ſeinem häßlichen dicken runden Thurme noch ganz ſo da wie vor einem Jahre, da der Domherr die Frau Mahler hingebracht hatte, und wie vielleicht ſchon vor ein paar hundert Jahren.