226
„Sterben“ wollte ſie ſagen. Sie konnte das Wort nicht mehr ausſprechen, ſie lag leblos in den Armen der Freundin. War es nur eine Ohnmacht? War es ſchon der Tod? Die Thür der Stube öffnete ſich, und ein hoher, blaſſer Mann trat herein. Er ging lahm. Er ſah die Lebloſe in den Armen der Freundin und ſtürzte zu ihr hin.
„Iſt ſie todt?“ fragte er, und ſein ganzer Leib zitterte.
„Sie lebt.“
„Aber ſie wird ſterben?“
„Sie wird aufwachen, um zu ſterben. Ihre letzte Kraft iſt gebrochen.“
„Ja,“ ſagte der hohe Fremde. „Ich ſehe es.“
Dann ſtellte er ſich ſtill vor die Sterbende und ſah
ihr lange in das edle, auch im Sterben ſo ſchöne Geſicht. Dann drückte er einen Kuß auf die weiße Stirn. „Edles, treues Weſen, Du ſollteſt eine Ver⸗ brecherin ſein?“
„Madame,“ ſagte er, wird ſie gewiß noch einmal
erwachen?“
„Es wird bald geſchehen.“ „Und dann wird ſie ſterben?“


