oft Augenblicke einer quälenden, unerklärlichen Angſt hatte. Da gebar ich einen Knaben. Es war ſein Kind, aber es trug die Züge des Ermordeten. An⸗ fälle von Verzweiflung ergriffen ihn jetzt oft. In einem derſelben traf ich ihn, in den Händen einen blutigen Brief, in den er hineinſtarrte. Er wollte ihn mir verbergen. Dann ſprang er auf. Nein! rief er, ich kann es nicht mehr ertragen. Hier, lies; kennſt Du dieſen Brief? — es war der Brief, den Felſener am Nachmittage vor ſeinem Tode von ſeiner Mutter erhalten hatte. Er hatte ihn auf ſeiner Bruſt getragen. Mein Mann hatte ihn geſucht und zu ſich genommen, während er bei der Leiche wachte. In ſeiner wilden, über den Tod des Gegners hin⸗ ausdauernden Eiferſucht hatte er ſich nicht von ihm trennen können. Eiferſucht und Gewiſſensangſt zwan⸗ gen ihn unwiderſtehlich, mir das Geſtändniß ſeiner entſetzlichen That abzulegen.
„Was ich ſeitdem gelitten habe, Jahre lang, mit ihm?! Er war mein Gatte; er war der Vater meines Kindes; er war ein Mörder, der Mörder meines Geliebten, meines Verlobten!
Temme, Criminal⸗Novellen. HM. 15


