Teil eines Werkes 
3. Band (1873)
Entstehung
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S

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Sie ſelbſt blieb noch vor dem Bettchen ſitzen, und ihre eigenen Hände legte ſie vor ihr Geſicht. Ihr Haupt aber bewegte ſich bald ſo ſonderbar, und ich ſah auch, was es war. Sie ſchluchzte und ſuchte das Schluchzen zu unterdrücken, damit der Knabe nicht davon erwachen ſolle, und doch konnte ſie von dem Kinde ſich nicht trennen. Ich meinte zu ſehen, wie die Thränen durch die feinen Finger rannen.

Ja, ſie war eine arme, unglückliche Frau, die ſchwer und entſetzlich noch immer litt, und wenn ſie jeden Abend ſo, nachdem ſie mit dem reinen Kinder⸗ herzen gebetet, an dem Bettchen ſitzen und weinen mußte — das Herz wollte mir brechen.

Und ich ſollte hart und roh in ihr Herz hinein⸗ greifen, mit der kalten Hand, dem ſcharf ſchneidenden Meſſer des Inquirenten? Wie war mir mein Amt in dieſem Augenblicke ſo ſchwer!

Ich kehrte leiſe von dem Fenſter zurück und klopfte an die Hausthür.

„Mein Mann iſt nicht zu Hauſe,“ ſagte ſie.

„Madame, ich wünſchte zuerſt nur mit Ihnen zu ſprechen.“