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„Mein Herr,“ ſagte die junge Dame, „haben Sie ein Lieblingsgedicht?“ „Manche.“
„Das Sie allen anderen vorziehen, meine ich.“ „Ich wüßte nicht.“ „Darf ich Ihnen das meinige nennen?“ „Ich bitte darum.“ „Eigentlich ſind es nur drei Verſe: Wer nie ſein Brod mit Thränen aß, Wer nie in kummervollen Nächten Auf ſeinem Bette einſam ſaß, Der kennt — Was nun folgt, hätte fortbleiben können. Der kennt den lieben Gott nicht, wäre mir lieber geweſen, wenn es ſich auch nicht reimte.“ „Haben Sie ſchon Ihr Brod mit Thränen ge⸗ geſſen?“ fragte Franz Holden. „Auch ſchon einſam kummervolle Nächte auf Ihrem Bette durchwacht?“ mit Her Sie ſprach die Worte mit Heftigkeit, mit Bitterkeit
faſt. Sie ſprang von der Bank auf. Temme, Criminal⸗Novellen. III.


