108
Doch des Vergeſſens Reiher ſchwebet überm Horn,
Und nach verſchlafnem Rauſche ſchämt man ſich der That. Jedwede Stärk' iſt irdſcher Art, von Tmers Leib;
Die wilden Waſſer machen drin die Adern aus, Geſchmiedet ſind die Sehnen ihr aus feſtem Erz.
Doch öde bleibt ſo lange ſie und unfruchtbar,
Bis auf ſie ſcheint die Sonne, Himmelsfrömmigkeit. Dann grünt das Gras, der Purpurteppich hebt ſich dann, Es glänzt des Baumes Krone und der Früchte Gold,
Und Thier' und Menſchen ſaugen an der Mutterbruſt.
So iſt es auch mit Askers Sproß. Allfader hat Gewichte zwei in jede Lebensſchal gelegt,
Gleich wiegend mit einander, wann die Wage ſteht,
Und Erdenkraft und Himmelsfrommheit heißen ſie.
Stark wohl iſt Thor, o Jüngling, wann er ſtraff umſchnallt
Den Megingjard der felſenfeſten Hüft' und ſchlägt.
Und weiſe wohl iſt Oden, wann hinab er ſchaut
In Urdas Silberwogen; wann des Vogels Flug
Dem Aſen⸗Vater Kunde bringt vom Weltengrund. Jedoch ſie beid erblaßten, und zur Hälft' erloſch
Der Kronen Glanz, da Balder, da der Fromme fiel; Denn Balder war in Walhalls Götterkranz das Band. Nun wurde gelb am Zeitenbaum der Krone Pracht,
Die Wurzel fühlte Nidhöggs Biß; es kamen los
Der alten Nacht Gewalten, Midgardsdrache ſchlug
Den Schwanz, den eitervollen, Fenrer heulte laut,
Und Surturs Schwert erblitzte hell von Muſpelheim. Wohin ſeitdem dein Auge blicket, geht der Streit
Mit Heeresſchild die Schöpfung durch; in Walhall kräht Goldkammger Hahn; zum Streite kräht blutrother Hahn Auf Erden und in Helas Reich. Zuvor war Fried
Nicht in der Götter Sälen nur, auf Erden auch,
Fried in der Menſchen, in der hohen Götter Bruſt.
Denn was geſchieht hier unten, das geſchah bereits
In größerm Maaß dort oben. Iſt die Menſchheit doch Ein kleines Bild von Walhall nur; des Himmels Licht Es ſpiegelt ſich in Sagas Schild voll Runenſchrift.
Ein jedes Herz hat ſeinen Balder. Denk der Zeit,


