6⁵
in den Chor mit einfielen und jeder die ihm zuſagenbe Tonweiſe mit einer Genauigkeit aufnahm, die Hamil⸗ ton's Erſtaunen erregte und ihn zu der Frage veran⸗ laßte, ob ſie ſchon öfters zuvor mit einander geſungen hätten.
„Nie, daß ich wüßte,“ antwortele A. Z., die Sänger aufmerkſamer muſternd; „ich glaube nicht, daß Hermann auch nur mit Einem derſelben bekannt iſt.“
Die Muſik innen ſchien einige Mufikanten draußen zu begeiſtern; denn kaum hatte er aufgehört, als die muntern Töne einer Zither ſich vernehmen ließen, eines Inſtrumentes, das Hamilton noch nie zu Geſicht gekom⸗ men und, wie der Baron bemerkte, der Mühe einer ge⸗
nauer ſichtigung wohl werth war. im Begriff, das Zimmer zu dieſem Zweck zu verläſſen, als die Wirthin mit der Suppe zum Abend⸗
eſſen hereinkam; er machte verlegen Halt, aber Baron
8. rief den Bauern, der am Beſten ſpielte, ohne weitere
Umſtände herein und wieß ihm einen Platz neben ſich am Tiſch an. Der Mann ſtimmte ſeine Zither und begann, wie er es nannte, „Ländler“ — vielleicht von dem Wort Land oder Landſchaft — zu ſpielen, einfache Walzer, wornach die Bauern tanzen, und die, wie A. Z. gegen Hamilton verſicherte, von einer Guitarre begleitet, wäh⸗ rend die Tänzer mit den Füßen den Takt ſchlagen und mit den Fingern ſchnalzen, zum Beiſpiel bei einem Scheibenſchießen oder einer Hochzeit, die luſtigſte Muſik bildeten, die ſie je gehört hatte.
Am folgenden Morgen, als ſie bald nach Sonnen⸗ aufgang zuſammenkamen, waren ſie Alle in der beſten Laune, denn das Wetter verſprach äußerſt ſchön, ja ſo⸗ gar ſchwül zu werden, wenn man ſich auf einen unbe⸗ wölkten Himmel zu ſo früher Stunde verlaſſen konnte⸗ Hamilton war alſo über die Zahl der Röcke und Shawls, mit welchen der Wagen beladen wurde, wie über den An⸗ zug von Baron Z. nicht wenig erſtaunt.
Dieſer trug die graue Schützenjacke und den grünen Die Anfangsbuchſtaben, I. 5


