—
5 Sie verſagen mir dieſe Bitte?“ fragte ſie mit brechender Stimme, „Sie laſſen mich troſtlos ſterben?“
„Nein“ antwortete ich, „mein Geluͤbde iſt mir heilig, Sie koͤnnen auf die treueſte Erfullung deſſelben rechnen.“
Ein Strahl der Freude verklaͤrte hier ihr Geſicht. „Hinter jenem Vorhang,“ ſagte ſie, „finden ſie meinen Sarg und mein Grabge⸗ wand, und jenſeits ſpreche ich ihnen meinen Dank aus.“
Ich wiederholte ihr mein Verſprechen, und als loͤſe es ihre Seele von allen irdiſchen Ban⸗ den, ſank ihr Haupt zuruͤck, ſie druckte das
Crucifir an ihre Bruſt, ſtammelte den Na⸗
men Adolar, und der Tod hatte ihr Herz be⸗ ruhrt.
Ihrem Wunſch zu Folge bettete ich ſie allein und ohne Zeugen in ihren Sarg. Es war eine unvergeßliche Trauerſtunde meines Lebens, mein Blick hob ſich von der entſeelten Geſtalt hinauf zu dem Nachthimmel, deſſen Sterne mir zu dem duͤſtern Geſchaͤft leuchteten. „Schlafe ſanft, Ungluckliche!“ fluͤſterte ich, in⸗


