— 181 —
hung, in der der Menſch zur Gottheit ſteht, und die daraus folgenden Pflichten des Geſchopfes gegen den Schöpfer kennen zu lernen; allein ich weiß auch um die nie auszufuͤllende Kluft zwiſchen Wiſſen und Glauben. Du ſelbſt, mein Lieber, wirſt allgemein als ein ſcharfſinniger und gruͤndlicher Denker ge⸗ ruͤhmt; allein welche Waffen hat Dir nun Deine Philoſophie zu liefern vermocht, um Dein Schickſal zu bekaͤmpfen und Dein Ungluͤck zu ertragen? — Ein unuͤberwindlicher Muth, eine unbeſiegbare Ge⸗ duld, eine durch kein Erdenleid zu truͤbende Freu⸗ digkeit liegen nicht fuͤr das ſchwache, gebrechliche Menſchenherz außer den Grenzen der Moͤglichkeit; glaube mir, Eduard, es gibt eine Kraft des Glau⸗ bens, eine Zuverſicht des Unſichtbaren, eine Liebe zu Gott, die das furchtbarſte Elend in reiner Heiterkeit zu ertragen, und eben durch das willige, freudige Er⸗ dulden deſſelben es zu beſiegen vermag. Deine Grundſaͤtze und deine philoſophiſchen Erkenntniſſe haben Dich nicht vor Bitterkeit gegen die Vorſehung, vor Unmuth gegen die Gottheit zu ſchuͤtzen ver⸗ mocht, deren Weisheit und Allmacht Du doch in gluͤcklichern Zeiten ſo ſcharfſinnig zu demonſtriren verſtandeſt. Fuͤr alle Menſchenweisheit, fuͤr jede


