— 6 —
lichen, ſchuͤtzte es nicht, nach Verlauf von noch nicht voͤllig zwei Jahren fuͤhlte er, daß er ſie liebte, und daß ſie die erſte Liebe ſeines bis dahin durch Tau⸗ ſchung verblendeten Herzens war. Die Kraft, mit der er ſich jeden Blick, jedes Wort der Liebe gegen Thereſen unterſagte, verſöhnte ihn mit dem Be⸗ wußtſein ſeiner Verpflichtung gegen Sophie. Er glaubte ſtolz auf dieſe Selbſtbeherrſchung ſein zu duͤrfen, und bedachte nicht, wie er durch ſeinen in⸗ nern Kampf, ſeinen Unfrieden Thereſens junges Gemuͤth verwirrte; wie er ſie immer enger um⸗ ſpann und leidenſchaftlich darnach ſtrebte, jede Re⸗ gung der Freundſchaft, der Achtung, des Ver⸗ trauens, der Theilnahme, die ihr Herz fuͤhlte, ſelbſt⸗ ſuͤchtig in ſich allein zu vereinen; wie er ihr jeden andern Umgang verleidete, ſie von jeder naͤhern Ver⸗ bindung mit andern jungen Mädchen zuruckhielt, damit nichts ſie hindere, nur fur ihn allein zu leben, deſſen Verhaltniß zu ſich ſie bei ihrer faſt kloſter⸗ lichen Eingezogenheit und Unbekanntſchaft mit dem Leben durchaus nicht klar zu erkennen und noch weniger zu beſtimmen vermochte.
Sie wußte ihn verlobt; dies ſicherte ſie vor jedem Wunſch, jeder Unruhe der Liebe; aber es


