keine Liebe mehr in dem ganzen Menſchen! Sein innerſtes Daſein nur noch moraliſche Verweſung!
Und das iſt mein Werk, ſagte ſich Thorilde mit einer Kaͤlte der Verzweiflung, vor der alles Menſchliche in ihrer Bruſt zu Eis erſtarrte. Hätte ich den Muth gehabt, mir fruͤher ſein Daſein an⸗ zueignen, haͤtte ich ihm das, was man Tugend nennt, geopfert, ſtatt ihn dieſer, er waͤre nicht allein gluͤcklich, er wäre auch gut geblieben. Ein tiefes Geheimniß haͤtte unſer Gluͤck und unſre Liebe ver⸗ huͤllt; er wäͤre der Freund ſeiner Gattin geblieben und hätte die Faͤhigkeit behalten, gluͤcklich zu machen und gluͤcklich zu ſein, und ich! ich! — o Tugend, o Gebot der Pflicht, ſeid ihr denn nichts als leere, haſſenswuͤrdige, verabſcheuungswerthe Trugbilder, und Verzweiflung und Jammer das verdiente Loos deſſen, der euch ſein Gluͤck opfert? In welchem Compendium der Moral, in welcher eurer Vorſchrif⸗ ten, ihr Tugendlehrer, iſt denn der Fall berechnet, wo ein der Pflicht mit dem reinſten Willen, mit der ernſteſten Strenge gegen das wider penſtige Herz gebrachte Opfer der Quell ſittlichen Verderbens und als ſolcher der Urſprung ewiger Reue wird? Was
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