ausgezeichnete Vorzuͤge des Geiſtes und des Herzens das Recht erwerben, ihr naͤher zu kommen, da ſie in hoher, ſo vielen Frauen mangelnder Selbſtſtaͤndigkeit die Linie zwiſchen Bekanntſchaft und Freundſchaft mit ſtolzer Sicherheit zu ziehen wußte. Von klei⸗ nen Seelen beneidet, von der Menge bewundert, von den Beſſeren geliebt, ſchien Thorilde durch ihr ſchoͤnes, in ſich ſelbſt vollendetes Daſein, durch die Innigkeit ihres Herzens und ihre geiſtige Erhebung uͤber kleinliche Beduͤrftigkeit zum Schutzgeiſt juͤngerer und ſchwaͤcherer Herzen beſtimmt zu ſein, und dieſen Beruf in der treueſten und liebevollſten Sorge fuͤr den Adel derſelben anzuerkennen und zu ehren. — Doch heute, als ſie in den Kreis ihrer verſammelten Freundinnen trat, und mit ihren Wuͤnſchen zugleich die ſinnvollen Gaben ihrer Kunſtfertigkeit und ihres Fleißes zum Angebinde empfing, wölkte ſich, wie zarter Nebel, ſanfte Wehmuth uͤber die ſonſt ſo heitre Klarheit ihrer ſeelenvollen Zuge.
„O meine Theuren,“ ſagte ſie, von ihnen um⸗ ringt, „moͤge ein guter Gott Euch in der troſtbe⸗ duͤrftigſten Stunde Eures Lebens den Segen ver⸗ gelten, den Eure Liebe heute auf das meinige legt! Unſre Freundſchaft bleibe, was ſie uns Allen iſt,


