Teil eines Werkes 
Die sieben Todsünden : 6. Abtheilung, Der Geiz : drei Bändchen (1851) Les sept péchés capitaux
Entstehung
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ſchlang ſie mit ihren Armen, bedeckte ſie mit Thränen und Küſſen und rief mit herzzerreißender Stimme:

„Oh! Pathin! Pathin!“ 5

Dieſe ſchmerzliche Proteſtation gegen eine Anſchul⸗ digung die nur aus einem delirirenden Gehicne hervorgehen konnte, rief glücklicher Weiſe die Kranke zur Vernunft zurück; ihr geſchworenes, zerfreſſenes Herz ſpannte ſich ein wenig ab, und ſie hatte, wie dies zuweilen geſchah, das Bewußtſein von ihrer abſcheulichen Ungerechtigkeit, indem ſie auf ihre fieberhaften Wangen die Thränen von Ma⸗ riette rieſeln fühlte.

Frau Lacombe nahm nun eine von den Händen des Mävchens in ihre Hand, ſuchte Mariette mit ihrem ver⸗ ſtämmelten Arm an ihre Bruſt zu drücken und ſprach mit bewegter Stimme:

„Auf, Kleine, weine nichtz biſt Du albern! ſiehſt Du nicht, daß ich es lachend ſagte?“

Lachendl ein trauriger Scherz, leider würdig dieſes düſteren Elends.

„Es iſt wahr, Pathin,“ verſetzte Mariette, während ſie mit der umgekehrten Hand ihre Augen und ihre in Thränen gebadeten Wangen abwiſchte, „es iſt wahr, ich hatte Unrecht, doß ich glaubte, Sie ſagen dies im Ernſte, doch es war ſtärker als ich.“

„Was willſt Du, man muß Mitleid mit dieſer armen Pathin haben, meine kleine Mariette,“ erwiederte die Kranke mit einer düſtern Niedergeſchlagenheit. „Siehſt Du, durch heftiges Leiden wird der Gallenſack zer⸗ ſprungen ſein, und das Herz iſt bei mir, wie der Mund, bitter, bitter!“

„Ich weiß wohl, unwillkürlich gerathen Sie in Hitze, Pathin. Ei! es iſt leicht, immer gerecht und zufrieden zu ſein, wenn man glücklich iſt; während Sie kaum ein⸗ mal glücklich geweſen ſind.“

„Das iſt wahr,“ ſprach die Kranke, der es eine Art von grauſamer Befriedigung gewährte, ihren gall⸗