Teil eines Werkes 
Die sieben Todsünden : 6. Abtheilung, Der Geiz : drei Bändchen (1851) Les sept péchés capitaux
Entstehung
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ſchreiben ſo lange gezögert hätten. Wie glücklich wäre ich! Ich werde auch bis übermorgen mit großer Unge⸗ duld warten. Möge es Gottes Wille ſein, daß fie nicht getäuſcht wird, Herr Louis.

Mariette, während ſie dieſe letzten Worte dietirte,

unterdrückte einen Seufzer. Eine Thräne rollte auf ihre Wangen, ſie unterbrach ſich einige Augenblicke.

Die Züge des immer auf ſeinen Tiſch gebeugten öf⸗ fentlichen Schreibers waren unſichtbar für das Mädchen und nahmen einen mehr und mehr aufmerkſamen und ernſt beſorgten Ausdruck an; zwei oder dreimal verſuchte er es, während er ſchrieb, auf ſeine Clientin einen betrüb⸗ ten und forſchenden Blick zu werfen.

Es war leicht zu errathen, daß auf die rührende Theilnahme, welche er Anfangs unwillkürlich für Ma⸗ riette gefühlt, eine Art von Abneigung, verurſacht durch ernſte Befürchtungen, folgte.

Die junge Arbeiterin fuhr fort zu dictiren, während ſie ihre Augen niedergeſchlagen hielt:

Ich habe Ihnen nichts Neues mitzutheilen, Herr Louis; meine Pathin iſt immer ſehr krank, ihre Leiden verſchlimmern ſich; das erbittert noch ihren Charakter. Um ſie ſo wenig als möglich zu verlaſſen, arbeite ich nun bei uns, ſtatt zu Madame Jourdan zu gehen. Die Tage ſcheinen mir auch lang und traurig, denn die Ar⸗ beit gemeinſchaftlich gemacht, in dem Geſchäftslokal, mit meinen Gefährtinnen war beinahe ein Vergnügen und ging viel ſchneller; ich bin auch genöthigt, ſehr lange aufzubleiben, und ich ſchlafe nicht viel, denn beſonders bei Nacht leidet meine Pathin heftiger und bevarf meiner mehr. Zuweilen wache ich auch nicht ſogleich auf, wenn ſie mich weckt, denn häuſig iſt der Schlaf ſtärker als ich; dann ſchilt ſie mich ein wenig, und das iſt ganz natürlich, denn ſie leidet.

Damit ſage ich Ihnen, Herr Louis, daß ich, wie

immer, nicht ſehr glücklich zu Hauſe bin, und daß ein