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„Wie ich, mein Herr,“ unterbrach ihn Märiette ſeufzend.
„Man hat Sie noch als Kind in die Lehre gegeben?“
„Mit neun Jahren mein Herr, und bis dahin war ich im Hauſe geblieben, um einen kleinen Bruder zu hü⸗ ten, der kurze Zeit vor meinem Vater und meiner Mutter geſtorben iſt.“
„Armes Kind! Ihre Geſchichte iſt ungefähr die von Vielen Ihrer Gefährtinnen, welche in derſelben Lage find, wie Sie. Aber warum haben Sie ſich nicht, als Sie aus der Lehre traten, zu unterrichten geſucht?“
„Die Zeit, mein Herr,“ verſetzte traurig Mariette. „Kaum, wenn ich von meinen Nächten dazu nehme, kann meine Arbeit für mich und meine Pathin genügen.“
„Achl! ja, die Zeit,“ ſprach der Greis; „die Zeit, vas iſt das Brod für die Arbeiter, und zu oft hat man nur die Wahl, entweder Hungers zu ſterben oder in der Unwiſſenheit zu leben.“ Dann fügte er immer mehr theil⸗ nehmend bei: „Sie ſprechen mir von Ihrer Pathin? Sie haben alſo weder mehr Vater, noch Mutter?“
„Nein, mein Herr, ich habe es Ihnen geſagt,“ ant⸗ wortete traurig Mariette; dann fuhr ſie ſeufzend fort: „Doch verzeihen Sie, mein Herr, daß ich Sie ſo viel von Ihrer Zeit verlieren laſſe, ſtatt Ihnen ſogleich zu jager⸗ was für einen Brief ich mir von Ihnen erbitten wi r
„Dieſe Zeit konnte ich nicht beſſer anwenden, als wenn ich Sie anhörte, mein Kind, denn ich bin alt, ich habe Erfahrungen, und ich bin überzeugt, daß Sie ein wackeres, würdiges Mädchen find. Kommen wir nun auf Ihren Brief. Wollen Sie mir den Gegenſtand nennen, vamit ich ihn abfaſſe? Oder wollen Sie mir ihn lieber dictiren?“
„Ich will ihn lieber dictiren.“ —
„Ich bin bereit,“ erwiederte der Greis. Und er ſetzte ſich an ſeinem Schreibtiſch zurecht, und neigte ſeinen


