Teil eines Werkes 
Die sieben Todsünden : 5. Abtheilung, Die Trägheit : zwei Bändchen (1848) Les sept péchés capitaux
Entstehung
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Herr von Luceval war vollkommen aufrichtig in ſeinen Anſprüchen. Ein offenherziger Egoiſt, ein zügel⸗ loſer Touriſt gab er nicht zu, daß ſeine Frau nicht die Leidenſchaft der Reiſe habe. Er gab es um ſo weniger zu, als er ſich bei ſeiner Verheirathung mit Florence überredet hatte, ein Kind von ſechzehn Jahren, eine Waiſe und eben aus dem Kloſter tretend, beſitze keinen Willen und müſſe im Gegentheil entzückt ſein, zu reiſen; ein Vorſchlag, den er ſeiner Frau zarter Weiſe als eine köſtliche Ueberraſchung vorbehalten hat.

Das war der Irrthum von Herrn von Luceval;

ſein Notar ſagte ihm von einer Waiſe von ſechzehn Jahren, von reizendem Antlitz, mit einem Vermögen von mehr als einer Million, das bei ihrem Vormund, einem ausgezeichneten Banguier, angelegt, achtzigtauſend Livres Einkünfte trage. Herr von Luceval dankte ſei⸗ nem Notar und der Vorſehung, ſah die junge Waiſe, fand ſie entzückend, verliebte ſich in ſie, baute thörichter Weiſe ſein zukünftiges Leben auf den beweglichen Sand eines ſechzehnjährigen Herzens, verheirathete ſich und hatte beim Erwachen die Gutmüthigkeit, ſich über den Verluſt ſeiner Illuſionen zu verwundern; er hatte die Einfalt, zu glauben, das Recht, die Beharrlichkeit, die Drohungen, die Gewalt, das Geſetz vermögen etwas über den Willen einer Frau, die ſich in einen paſſiven Widerſtand verſchanzt . . . Herr von Luceval hatte Florence einige Zeit ver⸗ laſſen, als Mlle. Liſe, die Kammerjungfer, mit beſtürzter in den Salon eintrat und zu ihrer Gebieterin agte:

Ah mein Gott! Madame.

Nun, was gibt es?

Eine Dame, die ſich Frau von Infreville nennt, iſt unten in einem Fiacre.

Valentine, ſagte lebhaft die junge Frau, mit