2
fernte Gemurmel dieſer Cascade, das Gezwitſcher der Vögel, die Wärme der Atmoſphäre, die Durchſichtigkeit eines Sommerhimmels, der balſamiſche Geruch dichter Gruppen von Heliotrop und japaneſiſchem Geisblatt verſenken die junge Frau in die Ertaſe einer be⸗ ſchaulichen Seligkeit. Behaglich ausgeſtreckt läßt ſie ihren Geiſt halb entſchlummern wie ihren Körper; es iſt ihr als ob ein entnervendes Fluidum ſie umhüllte, durchdränge, und ſie überläßt ſich der köſtlichen Ver⸗ nichtung ihres ganzen Weſens.
Während ſich dieſe unheilbare Träge dem Zauber ihrer gewöhnlichen Sorgloſigkeit hingab, ereignete ſich folgende Scene in einem anſtoßenden Zimmer.
Herr Alerxandre von Luceval trat in das
Schlafgemach ſeiner Frau ein; er war ein junger Mann von ungefähr fünfundzwanzig Jahren, braun, mager, nervig; die Rührigkeit, das Ungeſtüm ſeines Charakters verriethen ſich in ſeinen geringſten Geberden; er ge⸗ hörte zu jener Klaſſe von Menſchen, welche mit dem „ Bedürfniß einer unabläſſigen Fortbewegung ausgeſtattet oder behaftet, wie man zu ſagen pflegt, Salpeter in den Adern haben, und nicht eine Minute am Platze oder ohne dieſes oder jenes zu treiben bleiben können; dieſer Mann ſchien an zehn Orten zu gleicher Zeit zu ſein und zugleich zwei Probleme zu löſen: das der beſtändigen Bewegung und vas der Ueberallheit.
Es ſchlug zwei Uhr Nachmittags. Herr von Lu⸗ ceval, der in der Morgendämmerung aufgeſtanden war Ler ſchlief höchſtens vier bis fünf Stunden), hatte ſchon halb Paris durchlaufen oder durchritten. In dem Au⸗ 6 genblick, wo er in dem Schlafzimmer von Frau von Luceval erſchien, befand ſich eine von ihren Kammer⸗ jungfern hier.
„Nun!“ ſagte er mit dem ihm natürlichen kurzen, haſtigen Ton, „iſt Madame zurückgekehrt? iſt ſie ange⸗
kleidet? iſt ſie hereit?“


