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Der Vetter Michel.
Prolog. Erſtes Rapitel.
Wollte ein Maler in ihrem reizendſten Ausdruck die träge Süßigkeit des far niente darſtellen? . Wir werden es verſuchen, ihm ein Modell zu bieten.
Seit ſechs Monaten verheirathet zählt Florence von Luceval noch nicht ſiebenzehn Jahre; ſie iſt weiß und roſenfarbig mit ſchönen blonden Haaren; obgleich von ſchlankem hohem Wuchs iſt die junge Frau doch ein wenig feiſt; dieſe leichte Beleibtheit iſt aber ſo wohl vertheilt, daß ſie zu einem neuen Reize wird.
Die Haltung von Florence, in ihrem Morgenge⸗ wand von weißer Mouſſeline, iſt voll Sorgloſigkeit und Dahingebung; halb ausgeſtreckt in einem weichen Fau⸗ teuil mit zurückliegender Lehne, auf der nachläſſig ihr reizender Kopf ruht, kreuzt ſie ihre kleinen, von zier⸗ lichen Pantoffeln umſchloſſenen Beine auf einem hohen Kiſſen, während ſie mit dem Ende ihrer ſpitzig zulau⸗ fenden Finger eine Roſe auf ihrem Schooße entblättert.
So in der Nähe eines offenen, auf einen Garten gehenden Fenſters gelagert, läßt ſie ihre großen, blauen, halbgeſchloſſenen Augen durch Spiele von Licht und
Schatten ſtreifen, welche die goldenen Sonnenſtrahlen
hervorbringen, die da und dort durch die bläuliche Dun⸗ kelheit einer ſchattigen Allee dringen. Am Ende dieſes grünen Gewölbes ergießen zwei Vaſen von weißem
Marmor ihr kryſtallhelles Waſſer ineinander; däs ent⸗ Die ſieben Todſünden. 1


