Neunzehntes Rapitel.
Während der wenigen Tage, welche der Ankunft von Henri David bei Madame Baſtien vorangingen, wirkte der Zuſtand der Schwäche, der auf das nervöſe Fieber gefolgt war, ſo lähmend bei Frederik, daß er das mütter⸗ liche Haus nicht verlaſſen konnte . Die Witterung war überdies völlig winterlich geworden; ein frühzeitiger Schnee bedeckte die Erde, während ein feuchter, dichter Nebel die Atmoſphäre verdunkelte.
Dieſe Umſtände, verbunden mit der Abgeſpamtheit
ihres Sohnes, erleichterten die Ueberwachung von Madame
Baſtien, welche ihn den ganzen Tag nicht verließ. Bei
Einbruch der Nacht wurden die Läden am Fenſſer von
Frederik feſt von Außen verſchloſſen, und jede Entweichung wäre ihm unmöglich geweſen, ſelbſt wenn er die Kraft gehabt hätte, eine ſolche zu verſuchen.
Obgleich immer ſchweigſam und in ſich gekchrt, be⸗ mühte ſich übrigens der Jüngling, ſeine Gefühle zu ver⸗
bergen, in der Hoffnung, ſpäter die ängſtliche Bewachung
ſeiner Mutter zu vereiteln; einige Male äußerte er ſogar den Wunſch, ein wenig zu muſiciren und etwas zu leſen, was ihm ſeit langer Zeit nicht begegnet war, und troz einzelner Augenblicke düſteren Brütens, in das er zuweiſen verſank, ſchien ſein Geiſt ruhiger.
Eines Tags befand er ſich mit ſeiner Mutter im
Studirzimmer und war eben beſchäftigt, in kleine irdene Töpfe einige Zwiebel von frühen Hyacinthen zu ſtecken, als der Wind den entfernten Ton von Hörnern und das Gebelle von Hunden herbeitrug; der junge Marquis jagte im Walde.
Madame Baſtien beobachtete ihren Sohn, ohne daß dieſer es bemerkte; in einem Augenblick breitete ſich eine


