vieſe zwei Perſonen ergriffen wurden, als ſie ſich einander gegenüber ſahen.
Fräulein von Beaumesnil erkennend, bebte Herr von Maillefort gleichſam vor Erſtaunen; eine unruhvolle Neu⸗ gierde prägte ſich in ſeinen Zügen aus er wollte ſei⸗ nen Augen nicht trauen und war im Begriff, zu ſprechen, als Erneſtine, bleich, zitternd, lebhaft die Hände faltete und ihn mit einer ſo verzweifelten, ſo flehenden Miene anſchaute, daß die Worte auf den Lippen des Marquis erſtarben.
In dieſem Augenblick wandte ſich Herminie um; das Geſicht von Herrn von Maillefort drückte nicht die geringſte Verwunderung mehr aus; er wollte ſogar Fräulein von Beaumesnil Zeit laſſen, ſich zu erholen, und ſagte:
„Ich bin ſicherlich ſehr unbeſcheiden, mein Fräu⸗ lein . . ich komme vielleicht ungelegen.“
„Nie, mein Herr, glauben Sie mir, werden Sie un⸗ gelegen kommen,“ erwiederte die Herzogin, „ich bitte Sie nur um die Erlaubniß, das Fräulein zurückzubegleiten.“
„Haben Sie die Güte, dies zu thun,“ ſagte der Mar⸗ quis ſich verbengend, „ich wäre troſtlos, wenn Sie die geringſten Umſtände melnetwegen machen würden.“
Fräulein von Beaumesnil bedurfte einer großen Selbſt⸗ beherrſchung, um ihre Unruhe nicht zu verrathen; zum Glück war der kleine Eingang, der vor dem Zimmer von Herminie kam, dunkel; die plötzliche Veränderung in den Zügen von Erneſtine entging ihrer Freundin und dieſe
ſprach zu ihr:
„Erneſtine, nach dem, was ich Ihnen anvertraut habe, brauche ich Ihnen nicht zu ſagen, wie nothwendig mir Ihre Gegenwart iſt! Ach! ich glaubte nicht, Ihre Freund⸗ ſchaft ſo bald auf die Probe ſtellen zu müſſen. Ich bitte, Erneſtine haben Sie Mitleid, laſſen Sie mich nicht zu lange allein . . . Wenn Sie wüßten, wie ſehr ich leiden werde! . . Denn ich darf nicht mehr hoffen, Gerald wiederzuſehen . . . oder die Hoffnung, die mir noch bleibt, iſt wenigſtens ſo unſicher, daß ich nicht darauf zu rechnen


