I.
Frau Honorine Dumesnil, fünfundvierzig Jahre alt und Mutter einer demnächſt fünfzehnjährigen Tochter, war einige Zeit vor dem Beginn dieſer Erzählung Wittwe des Doctors Dumesnil, eines berühmten Arztes und ſehr rechtſchaffenen, äber kalten und verſchloſſenen Mannes geworden, der immer in ſeine Wiſſenſchaft vertieft war und in ſeinem Haus eine ſtrenge, obwohl vernünftige Sparſamkeit verlangte. Er beſuchte keine Geſell⸗ ſchaft und ging jeden Abend ſchon um acht Uhr zu Bette, weil er beinahe jeden Morgen ſchon um drei Uhr ſeine Lampe anzündete, um zu leſen, die neueſten Werke im mediziniſchen Gebiet zu ſtudiren und ſich in Betreff der Fortſchritte ſeiner Kunſt ſtets auf dem Laufenden zu erhalten. Er mußte dieſen Studien ſeine Nächte widmen, da ſeine Tage fortwährend durch zahlreiche Krankenbeſuche oder Conſultationen in Anſpruch genommen waren.
Doctor Dumesnil hatte ſeiner Frau und ſeiner Tochter immer ſehr imponirt; aber bei aller Furcht liebten und verehrten ſie ihn: ſie wußten, daß er von ſeinen Pflichten als Gatte und Vater durch⸗


