Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Weibsperſon erräth das Erſtaunen ihres Herrn und ruft im Tone mürriſcher Vertraulichkeit:

Der Teufel hole Sie! Sie haben mich aufge⸗ weckt. In der vergangenen Nacht habe ich kein Auge geſchloſſen, weil mich ein wahnſinniges Kopfweh plagt. Ich fing an einzuſchlafen: Ihre verfluchte Klingel hat mich plötzlich aufgeweckt. Dieſer Maulaffe, die Vie⸗ toire, wird auf dem Markte herumſchlendern. Ich glaubte, ſie ſei in der Küche, und beeilte mich nicht, Ihnen die Thüre zu öffnen.

Dieſe ſehr wahrſcheinlichen Lügen nahm Herr Ver⸗ neuil als Wirklichkeit an; er war ſo ſtrahlend über den tödtlichen Schlag, den er ſeiner Frau beizubringen gedachte, daß er die Erklärungen von Charlotte nicht bekrittelte, und ſagte heiter zu ihr:

Schließe die Thüre und folge mir, Lolotte. (Er nannte ſie vertraulich Lolotte.)

Er trat in ſein Cabinet ein, das an das Vor⸗

zimmer ſtieß, und ließ ſeine Dienerin den bewußten Brief ſchreiben. Durch ihn vom Zwecke und von den wahrſcheinlichen Folgen dieſer feigen Grauſamkeit un⸗ terrichtet, ſprang Charlotte vor Freude und Hoffnung.

Lolotte, ſagt Herr Verneuil, Du wirſt nun den Brief auf die Poſt bringen; das Bureau iſt nur ein paar Schritte von hier.

Eine große Verlegenheit verbergend, erwiedert Charlotte zärtlich:

Oh! wir wollen mit einander gehen. Ich werde den Brief auf die Poſt bringen und Ihnen dann bis ans Ende der Straße nachſchauen. Ich ſehe Sie ſo

gern gehen! Sie haben eine ſo ſchöne Haltung.