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Miss Mary oder Die Erzieherin / von Eugene Sue ; aus dem Französischen von August Zoller
Entstehung
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XXV.

Eben ſo grauſam in ihrer Erwartung getäuſcht, als erſchrocken über die unvorhergeſehene Ankunft von Herrn von Favrolle, wurde Miß Mary todesbleich und konnte ſich eines Angſiſchreis nicht erwehren. Herr von Favrolle ging, höhniſch und entſchloſſen, auf ſie zu und rief: .

„Endlich, mein Fräulein, treffe ich Sie, nachdem ich Sie eine ganze Nacht geſucht habe. Offenherzig ge⸗ ſtanden, es iſt mir nicht unangenehm, dieſen Morgen meine Genugthuung für geſtern Abend zu nehmen; be⸗ ruhigen Sie ſich indeſſen: trotz meiner Gereiztheit, deren Motive Sie begreifen, werde ich keine von den Ihnen gebührenden Rückſichten verletzen; aber ſo ehrerbietig und voll Anſtand Sie mich finden werden, eben ſo ent⸗

ſchloſſen in Betreff des Vorhabens, das ich Ihnen er⸗

öffnet habe und von dem mich keine menſchliche Macht abbringen ſoll, werden Sie mich auch finden.“

Vernichtet durch dieſen unvorhergeſehenen Schlag, ſank Miß Mary auf einen Stuhl, verlor allen Muth und murmelte mit einer unter den Thränen ſtockenden Stimme:

„Ah! mein Herr, wenn Sie wüßten, was ich aus⸗ ſtehe, Sie hätten Mitleid mit mir!“

„Mein Gott! mein Fräulein, ich bin weder ein Tyrann, noch ein Elender. Ich weiß nicht, was es in dem Hauſe, wo wir geſtern waren, für Sie zu einer Ehrenſache machen konnte, mich nicht zu hören; aber hier ſind Sie frei, ich komme, um mein Schickſal zu erfahren, und ich werde Sie nicht eher verlaſſen, als bis es unwiderruflich durch Sie entſchieden iſt, nicht leichtſinnig, ſondern mit reiflicher Erwägung .“

Miß Mary bebte: ſie hatte im Hofe das Geräuſch einer Poſtchaiſe gehört. Es unterlag keinem Zweifel mehr, diesmal war es Henry Douglas, der ſie abholen