Teil eines Werkes 
13. bis 15. Bändchen (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

15

Liebe für mich, der ſie ſich oft wie in zärtlichem Un⸗ willen hingibt. O, was ſie dann iſt, dieſe Trunken⸗ heit, dieſe gränzenloſe Hingabe läßt ſich nicht beſchrei⸗ ben, noch weniger die Glut des Verlangens malen, wenn ſie unter den ſüßeſten, leidenſchaftlichſten Schwü⸗ ren dem Genuſſe der Liebe unterliegt!

Beim bloßen Gedanken daran klopft mir das Herz, kocht mein Blut, brennen meine Wangen! Und doch dauert das Verhältniß länger als zwei Jahre; doch bin ich von ihrer Untreue lebhaft überzeugt; doch habe ich kaum einen Monat dies Glück vollſtändig ge⸗ noſſen, denn in jedem Augenblicke entfliehtmir dies luftige Geſchöpf, lacht mich aus, verſtößt mich aus dem Himmel in die Hölle der qualvollſten Zweifel, die ſie morgen weglächelt und wegküßt. . . ..

Wüßten Sie nur, was es heißt, ſo zwiſchen Hoff⸗ nung und Verzweiflung, Wonne und Thränen, Zorn und Liebe, Mißtrauen und blindem Glauben ſchweben! Mit dämoniſcher Kunſt bereitet ſie langſam den Necktar, der mich berauſcht! Ich bin wie ein Unglücklicher, der ver⸗ dürſtet und deſſen welke Lippen jede Stunde nur ein Tropfen kühlen und kryſtallhellen Waſſers netzt.. . .

Heißt das nicht, ſeinen Durſt noch mehr reizen, ihn noch mehr guälen? Möchte man nicht vor Wuth ſterben!. . . . Ganz ſo iſt mein Leben langſam verzehrt von Liebe. . . Urſula gibt nie genug, meine Leidenſchaft zu ſättigen, aber immer genug, ſie zu rei⸗ zen, um dadurch ihre Herrſchaft über mich noch des⸗ potiſcher zu machen.

Oh, die Hölliſche! . ... Sie weiß, daß wer Viel hat, immer mehr will, und daß ein ungeſättigtes Ver⸗ langen ewig lebt.

Dies das Geheimniß meiner Schwäche, meiner Feigheit, meiner Schmach; aber auch meiner wahn⸗ ſinnigen, raſenden Luſt und Wonne, wenn Urſula den höhniſchen Teufel auszieht und ſich mir als Weib zeigt.

Bald weiß ſie mir einzureden, oder richtiger; ich