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nete ſie das Portefeuille und fand darin zwei Briefe verſteckt. Der erſte lautete alſo:
„Man hintergeht Sie. Mathilde iſt die Geliebte Ihres Gemahls. Sie kennen die Handſchrift des Herrn von Rochegune. Leſen Sie das beifolgende Billet, das ein unge⸗ nannter Freund Ihnenzuſtellt.“
Das zweite war eben dies beifolgende Billet, das, wie wir wiſſen, Herr von Rochegune an Frau von Lanery geſchrieben hatte (ſ. S. 37).
Kein Wunder, daß dieſe Nachricht und die Ent⸗ deckung des Geheimniſſes ihrer Geburt ein ſo zartes, tieffühlendes Weſen, wie Emma war, tödtlich verwun⸗ den mußten. Den Kummer über dieſen letzten, härtſten Schlag hatte ſie Niemand anvertraut.
Man konnte an den Falten und dem Verbrauch dieſes Briefes merken, daß ſie ihn oft geleſen und wie⸗ der geleſen haben mußte. Es war, als hätte ſie ſich das Gift tropfenweiſe eingegeben.
Mathilde ſuchte unter ihren Papieren nach jenem Brief und fand ihn. Als ſie beide mit einander ver⸗ glich, entdeckte ſie die Unächtheit des an Emma abge⸗ ſandten, obgleich die Handſchrift des Herrn von Roche⸗ gune mit wahrhaft hölliſcher Geſchicklichkeit nachge⸗ ahmt war.
Das Räthſel löſte ſich ſo: Als ſie zu ihrem Ge⸗ mahl in die Straße ** zog, hatte Herr von Lancry einen von Lugarto beſtochenen Kammerdiener, welcher ſich Mathildens Briefkäſtchen zu verſchaffen wußte. Lugarto konnte unter den Briefen des Herrn von Rochegune an Mathilde keinen zweckdienlicheren auswählen. Er wurde nicht weniger gut nachgemacht, als auserkoren... Dank dieſer Vorſicht, entgingen andere, nicht weniger gefähr⸗ lichere Briefe dem Schickſal jenes erſtern.
Nach der Entdeckung dieſer fluchwürdigen Argliſt ſandte Mathilde die beiden Briefe an Herrn von Roche⸗ gune. Sie befreiten ihn von einer großen Qual und


