Zweiundzwanzigſtes Kapitel. Das Rendezvnus.
Ich legte den Brief des Herrn Lugarto einen Augenblick bei Seite.
Hatte ein und dieſelbe Frau Anfang und Ende dieſes Tagebuches geſchrieben?. Konnte dieſe plötzliche umſtimmung von dem größten ſittlichen Leichtfinn bis zur Glut einer tiefgefühlten Leidenſchaft an Einem und demſelben Weibe vorgegangen ſein?
Am unangenehmſten berührte mich das, was ſie von ſeinem Einfluſſe ſagte. Mußte er an der wunder⸗ baren Bekehrung dieſes Weibes nicht aufrichtig Antheil nehmen? Und wie parador auch die Behauptung klang, daß ich Herrn von Lanery leidenſchaftlich geliebt, während ſie weder ihn, noch irgend wen geliebt habe vor ihrem Zuſammentreffen mit Herrn von Rochegune, doch hatte ſie von ihrem Standpunkte aus Recht. Denn ſie war von Jugend auf in ſittlicher Hinſicht ſo ſehr vernachläſſigt worden, daß ſie von Grundſätzen und der Schuld gewiſſer Sünden nichts wußte.
Noch beſorgter wurde ich, wenn ich an die Stim⸗ mung dachte, in die ich Herrn von Rochegune durch mein Benehmen gegen ihn verſetzt.
Die Gereiztheit und Bitterkeit gegen mich gab ihn


