beſonders, als dieſer helle Hörnerklang, welcher ſo lu⸗ ſtig aus der Tiefe des Forſtes ſcholl.“
„Ja, ſicherlich hatte eine Liebeserklärung für Sie nicht dieſen Reiz der Neuheit. Das iſt ein naives Be⸗ kenntniß,“ ſagte Gontran lachend.
Urſula ſah meinen Gatten feſt an, beugte ihre ſchöne Geſtalt und erhob ſie wieder, wie wenn ſie ſich ſelbſt bewundere, ſchüttelte leicht mit dem Kopf, daß die langen Locken ihres braunen Haares ſie wellenartig umfloßen, und entgegnete mit einem ſpöttiſchen, faſt verächtlichen Lächeln:
„Mein guter Vetter, ich bin kaum achtzehn Jahre alt und man hat mir oft genug vorgeſagt, daß ich allerliebſt ſei; Sie verzeihen mir daher, daß ich ſchon ein wenig an derartige Erklärungen gewöhnt bin. Seit langer Zeit ſchon kennt mein Ohr dieſe alltäg⸗ lichen, hergebrachten Schmeicheleien und Sie haben unglücklicherweiſe in meiner Seele dieſe ebenſo unbe⸗ kannten, als entzückenden Regungen nicht geweckt. Ich zweifle nicht, daß ſie ein vortrefflicher Pygmalion ſind, allein der Galatäiſche Marmor hatte ſich erweicht und belebt, bevor Ihr allmächtiger Blick geruhte, auf mich arme Frau aus der Provinz zu fallen.“
Mein Erſtaunen war unbeſchreiblich. So alſo ſprach Urſula, ſie, die ſich ſonſt nur weinend und mißverſtanden zeigte, die nur von ihrem nahen Grabe redete.
Mit dieſer beleidigenden Geringſchätzung konnte Urſula zu Gontran ſprechen, zu ihm, der ſo großen Beifall erndtete, der ſo geſucht, ſo angebetet war von den gefeiertſten Damen!
Dieſe ſpöttiſche Sprache ſchien Gontran nicht we⸗ niger, als mich, zu überraſchen. Indeſſen bemerkte ich mit Freude, daß er mich nicht getäuſcht hatte.
Er konnte leichtſinnig, unvorſichtig geweſen ſein Urſula gegenüber, allein ihre kalte Koketterie mußte ihn vor einem lebhaftern Gefühle bewahrt haben.


