Teil eines Werkes 
1. bis 3. Bändchen (1845)
Entstehung
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zweifeln, daß Frau von Richeville durch keine gehäſſige Hinterliſt geleitet war, als ſie ſo zu mir ſprach. Sie empfand wirklich für mich ein liebevolles Mitgefühl. Ihre Erkenntlichkeit gegen Herrn von Mortagne, die Theilnahme, die ihr meine Lage einflößte, waren die einzigen Triebfedern dieſes Schrittes geweſen.

Sie wiſſen, mein Freund, wie dieſe Frau die fremdartigſten Contraſte in ſich vereint. Sie bringt die Hälfte ihres Lebens hin, die begangenen Fehler bitterlich zu beweinen, und zwar von Grund der Seele, ohne alle Heuchelei; ihre hohe Stellung, Ihr ſtolzer Charakter machen ihr alle Vorſtellung ſo unnütz, als unmöglich.

Nein, ſie iſt eines der beſonderen Weſen, die zum Böſen wie zum Guten die gleiche Kraft haben; rein, edel und groß ging ſie aus der Hand Gottes hervor, die Erziehung, die Welt, das Leben, in dem ſie ſich bewegt, haben mehr noch, als ihre böſen Nei⸗ gungen, ſie ſtrafbar gemacht. Aber es walten noch ſo glänzende Eigenſchaften in ihr, ihr Verſtand iſt ſo richtig, ihr Urtheil ein ſo überlegenes, ihr Herz iſt ſo gut, ihre Seele ſo großmüthig geblieben, daß, wenn ſie ſich manchmal in traurige Erinnerungen verſenkt und heißer Reue ſich hingibt, ſie einen flehenden, ver⸗ zweiftung vollen Blick gen Himmel und zur Erde ein bitteres, verächtliches Lächeln richtet.

Später, mein Freund, werde ich Ihnen einige bewundrungswürdige Züge dieſer Frau mittheilen, welche ohne Zweifel ihre Fehler hatte, aber ſtets zu unwür⸗ dig verläumdet wurde; ich werde Ihnen von ihrer ſchrecklichen Heirat erzählen, welche vielleicht allein ſie in den Abgrund geſtürzt, aus welchem ſie durch ſchmerz⸗ liche Abbüßung gereinigt hervorgeht.

Urtheilen Sie nun über die Reue, die ich bei der Erinnerung an die verächtliche Härte fühlen muß, mit welcher ich den Schritt aufgenommen, den die rüh⸗