Teil eines Werkes 
8. Band (1844)
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nung.“ Endlich wandte ſie ſich zu Roſe Pompon mit den Worten: „Wenn Sie wollen, Mamſell, ſo gehen wir hinunter.“

Roſe Pompon's Verwunderung nahm zu, als ſie hörte, wie die vornehme Dame die Mayeur liebe Schweſter nannte. Sie wollte zeigen, daß ſie auch gute Manieren habe und ſchön zu ſprechen wiſſe. Sie drückte die Ellenbogen an den Leib, zwickte die Lippen zuſammen und ſagte: „Ver⸗ zeihen Sie, entſchuldigen Sie, Madame, wenn ich vorangehe, um Ihnen den Weg zu zeigen. In dieſer Barracke kann man Hals und Bein brechen.“

So verließen die beiden Nebenbuhlerinnen die Dachkammer. Glücklicher Weiſe war die blutige Leiche der Königin Bacchanal in den unterirdiſchen Laden der alten Arſene gebracht wor⸗ den, und die Neugierigen drängten ſich nur noch an der äußeren Thür des Ladens, ſo daß Roſe Pompon in dem Höfchen, welches ſie mit Adrianen durchſchritt, niemand an— traf, der ihr das traurige Ende ihrer Freundin hätte melden können. Nach wenigen Augenblicken befand ſie ſich mit dem Fräulein in der Wohnung Philemon's.

Dieſe ſonderbare Wohnung war in der maleriſchen Un⸗ ordnung verblieben, in welcher Roſe Pompon ſie verlaſſen hatte, als Nini Muulin ſie abholte, um ſie die Heldin eines geheimnißvollen Abenteuers werden zu laſſen. Adriana, völlig unbekannt mit den wunderlichen Sitten der Studenten und Studentinnen, konnte trotz ihrer Spannung nicht umhin⸗ mit ſtaunender Neugier dies bizarre und groteske Chaos der ungleichartigſten Dinge zu betrachten: Maskenkleider, Todten⸗ köpfe mit Pfeifen im Mund, auf Büchergeſtellen herum⸗ fahrende Stiefel, Rieſengläſer, Weibskleider, behoste Pfei⸗ fen u. ſ. w. Dem Erſtaunen folgte bald eine Empfindung peinlichen Widerwillens. Adriana fühlte ſich unbehaglich in dieſem Wohnſitz nicht der Armuth, ſondern der Unordnung, während die elende Kammer der Mahyeur nichts Abſtoßendes für ſie gehabt hatte.

Im Widerſpruch mit ihren kecken Manieren empfand Roſe Pompon eine ungewohnte Gemüthsbewegung, als ſie ſich mit dem Fräulein allein ſah. Die ſeltne Schönheit der Herzogstochter, ihre vornehmen Manieren, die würdevolle und doch leutſelige

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