Teil eines Werkes 
8. Band (1844)
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Anblick Roſe Pompon's entſetzlich peinlich geweſen, ſo führte das Nachdenken ſie allmählig auf Zweifel, und aus dieſen Zweifeln keimten Hoffnungen auf. Sie erinnerte ſich wieder des Geſprächs zwiſchen Dſchalma und Rodin, welches ſie im Gewächshaus behorcht hatte. Jetzt konnte ſie nicht länger fragen, ob es vernünftiger Weiſe denkbar ſei, daß der Königs⸗ ſohn, deſſen Begriffe von Liebe ſo erhaben, ſo rein, ſo poetiſch zu ſein ſchienen, den mindeſten Gefallen an dem unverſchämt albernen Schnack dieſes Geſchöpfs finden könne. Jetzt waren ihre Zweifel gehoben, nachdem ſie dieſe ſonderbare Neben⸗ buhlerin in der Nähe geſehen, nachdem ſie die Gemeinheit ihrer Manieren und Redensarten beobachtet hatte, welche, ohne gerade ihre hübſchen Züge zu entſtellen, denſelben doch einen nicht eben anziehenden dummen Ausdruck gaben. Eine wahre Liebe des Königsſohns zu einer Roſe Pompon war ihr ſomit völlig unglaublich geworden, und ihr Scharfblick ließ ſie ahnen, daß hinter dieſer ſo unbegreiflichen ſcheinbaren Verbindung ein Geheimniß ſtecken müſſe.

Bei dieſen tröſtlichen Gedanken ging ihr gepreßtes Herz wieder auf. Aber durch bittere Erfahrungen gewarnt, ſcheute ſie doch wieder vor dem Gedanken zurück, ſich vorſchnell an⸗ genehmen Täuſchungen hinzugeben. Sie erinnerte ſich der unleugbaren Thatſache, daß Dſchalma ſich öffentlich mit dieſem

Mädchen gezeigt hatte. Jetzt, wo ſie dies Geſchöpf würdigen

konnte, erſchien ihr das Benehmen Dſchalma's ganz unbe⸗ greiflich. Aber eben weil es räthſelhaft war, fand ſie es bedenklich, einen nachtheiligen Schluß daraus zu ziehen. Eine innere Stimme ſagte ihr, an dem Schmerzenslager der armen Nätherin, welche ſie dem Tod entriſſen hatte, würde ihr durch eine Fügung der Vorſehung eine Aufklärung werden, von welcher das Glück ihres Lebens abhinge.

Ihre Gemüthsbewegung war ſo lebhaft, daß ihre Wangen ſich mit hoher Röthe färbten. Ihr Buſen wogte ſtürmiſch, und ihne bisher trüben Augen erglänzten in fanftem Feuer. Mit der höchſten Spannnng ſah ſie dem Geſpräch entgegen, mit welchem die Dirne ſie bedroht hatte, und während ſie kurz vorher geneigt geweſen war, dasſelbe mit gerechtem Stolz von der Hand zu weiſen, hoffte ſie jetzt, in demſelben die Enthüllung eines wichtigen Geheimniſſes zu finden.