Teil eines Werkes 
8. Band (1844)
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ihrer Krüge legen ſah, rief ſie: „Um Gotteswillen! Sie ha⸗ ben etwas in meinen Krug geworfen.

Bei dieſem Ausruf ſprangen einige der Güſte auf und lie⸗ fen an den Zähltiſch. Einer von ihnen rief unbeſonnener Weiſe: „Das iſt ein Vergifter!“

Goliath, dem die umlaufenden Gerüchte nicht zu Ohren gekommen waren, begriff den Sinn dieſer Anſchuldigung nicht. Die Gäſte ſchrien ihn immer lauter an. Im Gefühl ſeiner

Kraft zuckte er höhniſch die Achſeln und verlangte barſch von

der Wirthin ſein Geld, welches dieſe in ihrer Verwirrung vergaß ihm herauszugeben.

„Spitzbube! du ſollſt dein Geld haben, wenn du ſagſt, was du in den Krug geworfen haſt!“ ſchrie einer der Gäſte ſo laut, daß mehre Vorübergehende ſtehen blieben.

„Was?“ fragte einer von dieſen. „Er hat etwas in den Krug geworfen?“

„Das iſt vielleicht ein Vergifter!“ ſagte ein anderer.

„Dann muß man ihn feſtnehmen,“ meinte ein dritter.

„Ja! ja! riefen die Gäſte, welche vielleicht ganz ordent⸗ liche Leute, aber von dem allgemeinen Schrecken ergriffen waren. „Man muß ihn feſtnehmen Er iſt darüber ertappt wie er Gift in einen der Krüge auf dem Zähltiſch warf.“

Die Worte: Das iſt ein Vergifter! gingen von Mund zu Mund in der Gruppe an der Thür des Weinwirths, welche anfangs nur aus drei Perſonen beſtand und ſich jeden Augenblick vergrößerte. Drohendes Gemurnel erhob ſich. Der Gaſt, welcher zuerſt die Anklage erhoben hatte, ſah ſeine Beſorgniſſe getheilt und damit faſt gerechtfertigt. Er glaubte die Pflicht eines guten, beherzten Bürgers zu erfüllen, in⸗ dem er Goliath am Kragen packte und rief: „Komm, Spitz⸗ bube und verantworte dich auf der Wache!“

Der Rieſe, ſchon ſehr aufgebracht über die ihm unbegreif⸗ lichen Schmähworte, gerieth in Zorn über dieſen plötzlichen Angriff, warf ſeinen Gegner auf den Zähltiſch und ſchlug mit der Fauſt auf ihn los. Indem er ihn niederwarf, zer⸗ brach er einige Flaſchen und Fenſterſcheiben. Die Wirthin ſchrie in ihrer Angſt: „Hülfe! Wache! Ein Vergifter! Ein Mörder!“