Teil eines Werkes 
8. Band (1844)
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Ztweites Kapitel. Der Mummenſchanz der Cholera¹).

Ein der Maskerade voranziehender Volkshaufe drang plötz⸗ lich mit Geſchrei aus dem Bogen hervor auf den Liebfrauen⸗ platz. Kinder blieſen auf Wurſthörnern, andere ſchrien, an— dere pfiffen. Angezogen durch das neue Schauſpiel drängten ſich der Steinbrecher, die Lange Zwiebel und ihre Bande nach dem Bogen hin.

Statt der zwei Speiſewirthe, welche jetzt auf beiden Sei⸗ ten der Arcolaſtraße zu finden ſind, war damals nur einer vorhanden, links vom Bogen, in der luſtigen Studentenwelt bekannt wegen ſeiner trefflichen Weine und ſeiner provenga⸗ liſchen Küche. Bei den erſten Trompetenſtößen der in Livrée gekleideten Vorreiter der Maskerade öffneten ſich die Fenſter des großen Speiſeſaals, und mehre Kellner, mit der Serviette unter dem Arm, lehnten ſich heraus, um die ſonderbaren Gäſte, welche ſie erwarteten, ankommen zu ſehen.

Endlich erſchien der abenteuerliche Zug, begleitet mit ungeheurem Geſchrei. Er beſtand aus einem Viergeſpann, umgeben von Reitern und Reiterinnen in reicher und zierli⸗ cher Fantaſiekleidung. Die meiſten dieſer Masken gehörten der mittleren und der wohlhabenden Klaſſe an. Es war kund geworden, daß eine Maskerade im Werk ſei, um die Cholera zu verhöhnen und durch dieſen luſtigen Streich

) Im Conſtitutionnel vom Samſtag 31. März 1832 liest man: „Die Pariſer leben ganz demjenigen Theil der Anweiſungen für das Volk über die Cholera nach welcher unter andern vorbeugen⸗ den Recepten vorſchreibt, ſich nicht vor der Krankheit zu fürchten, ſich zu zerſtreuen u. ſ. w.

Cholera ſelber iſt der Gegenſtand einer wandelnden Caricatur geweſen.

u Die Beluſtigungen der Mitfaſten ſind ſo glänzend und toll geweſen, wie die des Faſchings. Lange hat man um dieſe Zeit des Jahres nicht ſo viele Bälle geſehen Die