Teil eines Werkes 
8. Band (1844)
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gen heraus und zogen über den Liebfrauenplatz. Einer von ihnen, ein alter Graubart, ſchlug plötzlich langſamer und blieb einen Schritt zurück. Seine Gefährten ſahen ſich ver⸗ wundert um. Sein Geſicht war grün. Seine Beine beug⸗ ten ſich, er ſtammelte einige unverſtändliche Worte und ſtürzte auf das Pflaſter, ehe die Trommler im erſten Glied aufge⸗ hört hatten zu ſchlagen. Die blitzähnliche Wirkung dieſes

Krankheitsanfalls erſchreckte einen Augenblick ſelbſt die ganz Verhärteten.

Die plötzliche Unterbrechung des Trommelns zog den neu— gierigen Theil des Haufens zu den Trommlern hin. ½ Wäh⸗ rend zwei von dieſen ihren ſterbenden Kameraden in den Ar⸗ men hielten, ſagte zu den übrigen einer von den beiden Men⸗ ſchen, welche unter dem Bogen den Anfang der Bewegung zugeſehen hatten: „Euer Kamerad hat vielleicht unterwegs an einem Brunnen getrunken?“

„Ja,“ antwortete einer der Trommler. „Er hatte Durſt zum Umfallen und trank auf dem Chaͤteletplatz zwei Schluck Waſſer.“

„Dann iſt er vergiftet,“ ſagte der Unbekannte.

„Vergiftet?“ riefen mehre Stimmen.

„Da iſt nichts zu verwundern,“ verſicherte der Unbekannte mit geheimnißvoller Miene. „In die öffentlichen Brunnen iſt Gift geworfen worden. Dieſen Morgen iſt in der Beau⸗ bourgergaſſe ein Kerl maſſacrirt worden, den man erwiſcht hatte, wie er ein Päckchen Arſenik in den Krug eines Wein⸗ wirths ausleerte.“ ²) Nach dieſen Worten verſchwand der Unbekannte in der Menge.

Dies Gerücht, eben ſo dumm wie das über die Vergiftung der Kranken im Hötel Dieu, fand Glauben und veranlaßte lautes Geſchrei des Unwilles. Ein halbes Dutzend zerlumpte Kerle, wahre Banditen, packten den ſterbenden Trommler auf, trotz dem Widerſtand ſeiner Kameraden, und trugen ihn wie im Triumph auf dem Platz herum. Der Steinbrecher und die Lange Zwiebel gingen voran und riefen: „Platz für die Leiche! Seht, wie das Volk vergiftet wird!“

¹) Bekanntlich ſind damals mehre Menſchen umgebracht worden

unter der fälſchlichen Anſchuldigung der Giftmiſcherei.