wollte die Träger aufhalten, welche ſich nur mit Mühe von ihr losmachen konnten. Mit jeder Minute ward die Zahl der in das Hoſpital gebrachten Cholerakranken größer, und da die Bahren nicht mehr ausreichten, trug man ſie auf den Armen herbei. Einzele ſchreckliche Auftritte bewieſen die Schnelligkeit, mit welcher die Krankheit ihre Opfer nieder⸗ ſtreckte. Zwei Männer trugen eine mit einem blutbefleckten Tuch bedeckte Bahre. Plötzlicht bleibt der eine Träger ſtehen, und läßt die Bahre los. Er wird bleich, taumelt, fällt rück⸗ lings auf den Kranken und wird ſo grüngelb wie dieſer. Der andere Träger geräth außer ſich, entflieht und läßt
ſeinen Kameraden bei dem Todten liegen. Einige im Haufen
wichen entſetzt zurück, andere ſchlugen ein wildes Gelächter auf.
„Das Geſpann iſt ſcheu geworden,“ rief der Steinbrecher. „Es hat den Karren ſtecken laſſen.“
„Hülfe!“ jammerte der Sterbende. „Tragt mich um Gotteswillen ins Krankenhaus!“
„Im Parterre iſt kein Platz mehr,“ ſagte eine ſpottende Stimme.“
„Und deine Beine langen nicht aus, um hinauf ins Paradies zu kommen,“ ſagte eine andere.
Der Kranke ſtrengte ſich an um aufzuſtehen. Aber ſeine Kräfte verließen ihn. Erſchöpft fiel er auf die Matratze zurück Plötzlich gab es ein Gedränge. Die Bahre ward umgeworfen, der Träger und der Greis wurden unter die Füße getreten, und ihr Seufzen ward übertönt von dem Ruf: „Schlagt die Haſenfüße todt!“
Das Geheul erhob ſich mit neuer Wuth. Die wilde Bunde,
welche in in ihrem Wahnſinn nichts mehr achtete, wich je⸗
doch auseinander vor den kräftigen Armen einiger Arbeiter, welche zwei andern den Weg bahnten. Letztere trugen auf ihren verſchlungenen Armen einen jungen Handwerker, deſſen Kopf mit bereits grüngelber Geſichtsfarbe ſchwer auf der Schulter eines der Träger ruhte. Ein kleines Kind, welches ſich an dem Kittel eines der Arbeiter hielt, lief ſchluchzend nach.
Seit einigen Augenblicken hörte man aus der Ferne in den krummen Gaſſen der Altſtadt das Rühren der Trom⸗
meln. Es ward Rappel geſchlagen, weil der Aufruhr in der
Antonsvorſtadt gährte. Die Trommler kamen durch den Bo⸗


