Erſter Theil. Die Cholera.
Erſtes Kapitel.
Der Liebfrauenplat.
Acht Tage ſind verfloſſen, ſeitdem Rodin von der Cholerg vefallen worden, deren Verwüſtungen immer ſchrecklicher werden. Ein Trauerſchleier iſt über Paris ausgebreitet. Und doch hat nie der Himmel ein reineres, unwandelbareres Blau gezeigt, und nie hat die Sonne heller geſchienen. Dieſe unveränder⸗ liche Heiterkeit der Natur während der Verwüſtungen der tödlichen Plage, bildete einen ſeltſamen, geheimnißvollen Gegen⸗ ſatz. Das höhnende Licht einer blendenden Sonne machte die durch tauſendfache Angſt bewirkte Verſtörung der Mienen noch ſichtbarer. Jeder zitterte, der Eine für ſich, der Andere für geliebte Weſen. Auf den Geſichtern las man fieberhafte Un⸗ ruhe und Betäubung. Die Schritte der Vorübergehenden waren raſch, als ob man bei ſchnellem Gehen Ausſicht gehabt hätte, der Gefahr zu entrinnen, oder vielmehr, weil man eilte nach Hauſe zu kommen, wo man oft Leben, Geſundheit und Glück zurückgelaſſen hatte und zwei Stunden ſpäter den Todeskampf, den Tod und die Verzweiflung antraf.
Jeden Augenblick ſah das Auge neue, unheimliche Dinge⸗ Oft fuhren durch die Straßen Karren mit ebenmäßig aufge⸗
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