Zwanzigſtes Kapitel. Die Wölfe und die Freſſer.
Die Wölfe hatten ihren Angriff auf denjenigen Flügel des Gemeinſchaftshauſes begonnen, welcher auf das Feld ging, und an welchen ſich die Gartenmauer anſchloß. Die Haſt, mit welcher ſie herbeigeeilt waren, ihr zweimaliges Anhalten in Wirthshäuſern unterwegs und die ungeduldige Kampfluſt hatten dieſe Menſchen aufs Aeußerſte aufgeregt. Nachdem ſie ihre erſte Ladung Steine abgeſchlendert, ſuchten die meiſten von ihnen auf der Erde nach neuen Angriffswerkzeugen. Einige nahmen bei dieſem Geſchäft ihre Stöcke zwiſchen die Zähne, Andere ſtellten ſie an die Mauer. Hin und wieder bildeten ſich Gruppen um die Haupthetzer. Diejenigen in dem Haufen, welche am beſten gekleidet waren, trugen Kittel oder wollene Wämſer. Die Meiſten waren mit Lumpen be⸗ deckt — Geſindel, das ſich in der Nähe der Stadtthore her⸗ umzutreiben pflegte, Menſchen mit Galgengeſichtern. Einige garſtige zerlumpte Weiber, welche bei dieſer Menſchengattung immer mit zum Vorſchein kommen, reizten durch ihr Geſchrei die erhitzten Köpfe noch mehr auf. Eine von ihnen, groß und ſtark mit rothem verſoffenem Geſicht und zahnloſem Mund trug eine Pelzhaube, aus welcher gelbliches ſtruppiges
Haar hervorſah, und hatte über ihrem abgeriſſenen Kleid
einen auf der Bruſt gekreuzten und hinten verſchlungenen braunen Tartan an. Dieſe Herxe ſchien raſend zu ſeyn. Sie hatte ihre zerriſſenen Aermel heraufgeſtreift. Mit der einen Band ſchwang ſie einen Stock, in der andern hielt ſie einen dicken Stein. Ihre Begleiter nannten ſie die Lange Zwiebel. Dieß Scheuſal rief mit heiſerer Stimme: „Ich will mich mit den Fabrikweibern herumbeißen! Ich will ihnen zur Ader laſſen!“
Dieſe Worte wurden mit Beifall aufgenommen und erwi⸗ dert mit dem Ruf: „Die lange Zwiebel ſoll leben!“
Unter den andern Hetzern war ein kleiner Kerl mit einem Wieſelgeſicht und einem unter dem Kinn herumgehenden
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