Achtzehntes Kapitel. Offenbarungen.
Der Freund, an deſſen Seite Herr Hardy in ſeine Fabrik zurückkehrte, war der unwürdige Herr von Bleſſac, welcher ihn auf ſo ſchändliche Weiſe verrieth. Kurz nach Hardy's Eintreffen ſah man von Paris her eine beſcheidene kleine Miethkutſche nach der Fabrik zu fahren. In dieſer Mieth⸗ kutſche ſaß Rodin.
Hardy war von mittlerem Wuchs, zierlich gebaut und ſchmächtig. Sein Anſehen ließ auf eine nervöſe leicht zu er⸗ regende Natur ſchließen. Seine Stirn war breit, ſeine Farbe plaß, ſeine Augen ſchwarz, ſanft und doch zugleich durch⸗
dringend. Sein Geſicht war offen, geiſtreich und einnehmend.
Die Sinnesart Hardy's läßt ſich mit einem Wort ſchil⸗ dern ſeine Mutter nannte ihn die Sinnpflanze. Sein gan⸗ zes Weſen war von einer ausnehmenden Zartheit, offen, lieb reich und edelmüthig, aber ſo empfindlich, daß es bei der ge⸗ ringſten verletzenden Berührung ſich verſchloß. Mit dieſem gefühlvollen Weſen verband ſich eine leidenſchaftliche Liebe für die Künſte, ein ausgezeichneter Verſtand und ein ver⸗ feinerter Geſchmack. Bedenkt man nun die tauſenderlei Täu⸗ ſchungen und Betrügereien, welche er im Geſchäftsleben er⸗ fahren mußte, ſo wird man ſich wundern, daß dieß zarte Herz in dem Kampf mit rückſichtsloſem Eigennutz ausdauern konnte.


