Erſter Theil. Der Beſſchützer⸗
Erſtes Kapitel. W n h
Das Fräulein von Cardoville eilte der Mayeur entgegen, ſtreckte die Arme nach ihr aus und ſagte mit Rührung: „Kommen Sie, kommen Sie! Jetzt trennt uns kein Gitter mehr!“
Bei dieſer Anſpielung, welche ſie erinnerte, daß ihre arme arbeitſame Hand kürzlich von dieſem ſchönen, reichen Fräu⸗ lein achtungsvoll geküßt worden war, regte ſich in der Nä⸗ therin Dankbarkeit und ein wohlthuendes Selbſtgefühl. Da ſie die herzliche Anſprache zu erwidern zögerte, umarmte Adriana ſie mit freudiger Rührung. Die Mayeur, umſchlungen von den ſchönen Armen des Fräuleins und den ſchweſterlichen Druck ihrer blühenden Lippen auf ihren blaſſen eingefallenen Wangen fühlend, brach in Thränen aus und konnte kein Wort hervorbringen.
Rodin hatte ſich in eine Ecke des Zimmers zurückgezogen und ſah dieſem Auftritt mit heimlichem Mißbehagen zu. Er hatte erfahren, wie würdevoll die Mayeur die falſchen Lockungen der Oberin des Marienkloſters zurückgewieſen. Er kannte


