Teil eines Werkes 
1. Bandes 2. Theil (1847)
Entstehung
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Raphaele hatte den Bitten ihrer Mutter nachgegeben und ſich zu Bette gelegt. An dem Kopfende deſſelben ſaß ihre Kammerfrau, Mademoiſelle Iſabeau, ein Maͤdchen von höchſtens 30 Jahren, nicht huͤbſch, aber mit einem zarten, ausdrucksvollen und verſtändigen Geſicht, köſtlichen Haaren und feurigen Augen. Ihre Hand war ſchlank, der Fuß klein, die Taille elegant, und dieſe wurde noch durch ein ſchwarzes, ſehr einfaches, aber im Schnitte vortrefflich gear⸗ beitetes Gewand gehoben. Mlle. Iſabeau ſchien eben ſo verwundert als betruͤbt uͤber das leidende, abgeſpannte Aeu⸗ ßere ihrer beiden Herrinnen. Auf ein Zeichen der Miſtreß Wilſon verließ ſie das Zimmer.

Mutter und Tochter blieben allein.

Die Schlafkammer Raphaelens graͤnzte an die ihrer Mutter und war mit perſiſchem Stoff tapeziert, deſſen Grund weiß mit großen blauen Kornblumen beſaͤ't. Ein durch eine matt durchſichtige Kryſtallkugel halb verhuͤlltes Licht erhellte nur ſchwach das Gemach.

Miſtr. Wilſon hatte ihr Reitkleid mit einem Schlaf⸗ rocke von linnengrauem Cachemir vertauſcht, der mit blaß⸗ rother Poſamenterie beſetzt war; ein feines und ſchmieg⸗ ſames Gewebe, das die Umriſſe ihrer allerliebſten Geſtalt leicht erkennen ließ.

Am Bette ihrer Tochter ſitzend hielt ſie mit unruhiger Sorgfalt eine Hand derſelben in der ihren. Raphaelens reizendes und gewoͤhnlich ſanftgeroͤthetes Geſicht war jetzt ſo verſtört, daß ohne den fieberiſchen Glanz blauen