153
Tarentaiſe und der Maurienne; gegen Norden die der Schweiz und des Jura; im Weſten die der Iſore und des Dauphiné, dann in den zwiſchen den Gebirgsrücken ausgehöhlten Baſſins die Fluren, die Wälder, die Seen, die Flüſſe, die Städte; — Alles dies erſchien unbeſtimmt durch den Morgennebel; es war nicht mehr die Nacht, es war noch nicht der Tag; doch plötzlich iſt der Tag da! Die Sonnenſcheibe hat ſich langſam über dem letzten Schnee und den letzten Gletſchern des Mont⸗Blanc erhoben; ſeine mattſikernen Pies emailliren ſich, die erſten Feuer des Tages wiederſtrahlend, mit einem lebhaften Roſa; die Gebirge von Savoyen, von Piemont, der Schweiz und von Frankreich bleiben noch im Dunkeln; allmälig färben ſich ihre höchſten Gipfel, und unter ihnen, als einer der erſten, die Tournette; ein Lichtſtrahl hat den Lehnſtuhl und dann die Plattform, auf der die Marquiſe und Robert ſtehen, vergoldet; die anderen Spitzen beleuchten ſich ſtufenweiſe und nach Maßgabe ihrer Höhe; wie die Sonne immer mehr auf⸗ ſteigt, geht die Röthe, welche ſich ſchon der Höhen be⸗ mächtigt hat, bis zur Hälfte der Berge hinab und drängt die Dünſte der Morgendämmerung in die bis jetzt in ein Halbdunkel getauchten Thäler und Ebenen zurück; dann werden auch bald die Spitze einer Kathedrale, die Thürme eines alterthümlichen Schloſſes, die Firſte eines Waldes beleuchtet; einen Augenblick nachher ſind ſogar die Ebenen von einem Lichtſtrome überfluthet, den da und dort große, von den Bergen herabfallende, Schatten unterbrechen; der Lauf der Flüſſe und die Spiegel der Seen glänzen nun wie helles Kryſtall; das weiße Netz der Landſtraßen ſtäubt, kreuzt ſich, ſtreckt ſich ins Unendliche aus . . . und der geblendete Blick verliert ſich in der wechſelreichen Unendlichkeit der Horizonte. Die Marquiſe überließ ſich mit Entzücken ihrer be⸗ ſchauenden Extaſe; ſie war ergriffen von jeuer tiefen Gemüthsbewegung, einer Miſchung von Begeiſterung


