Teil eines Werkes 
10. Band (1844)
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ſeine theuerſte Reliquie. Es waren gerade vier Jahre, daß er ſie am Hals des Marſchalls gefunden hatte, als die Leiche desſelben von einem Zweikampf ins Haus gebracht wurde. Dieſe Denkmünze war lange von den beiden Engeln getragen worden, deren Verluſt ihn damals beinahe ins Grab geſtürzt hätte. Ich eilte augenblicklich hinunter in den Hof, um die Schmerzen dieſes trefflichen Mannes zu lindern. Es gelang mir, und der Abend verging in frommer ruhiger Trauer. Als ich auf mein Zimmer zurückgekehrt war, drängten ſich mir all die peinlichen Erinnerungen an eine Vergangenheit auf, von welcher ich mich ſtets mit Angſt und Schrecken ab⸗ wende. Es erſchienen mir die rührenden Opfer der grauſigen Begebenheiten, deren Geheimniß nie vollſtändig aufgeklärt worden iſt, weil von den drei Urhebern derſelben die P. P. A. und R. plötzlich geſtorben ſind und die Frau von St. D. unheilbar wahnſinnig geworden iſt. Jene Opfer, welche einem ſchrecklichen Ehrgeiz gefallen ſind, würden der Stolz der Menſchheit geweſen ſein durch das Gute, welches ſie geſtiftet haben würden. O, wenn Sie wüßten, welche edle Herzen in ihnen für die Welt verloren ſind! Wenn Sie die groß⸗ artigen menſchenfreundlichen Abſichten jenes edelgeſinnten Mäd⸗ chens hätten kennen lernen! Gleichſam als Vorſpiel ihrer herrlichen Entwürfe hatte Sie mir am Tag vor ihrem Tode nach einer Unterredung, deren Inhalt ich ſelbſt Ihnen, Freund, verſchweigen muß, mir eine bedeutende Summe anvertraut, indem ſie mir mit ihrer gewöhnlichen Anmuth und Güte ſagte: „Man will mich zu Grund richten. Man kann es vielleicht. Wenigſtens wird das, was ich Ihnen übergebe, geborgen ſein — — für die Leidenden. Geben Sie — — geben Sie viel. Machen Sie ſo viele Menſchen wie möglich glücklich. Ich will mein Glück königlich einweihen.“

Ich weiß nicht, ob ich Ihnen geſagt habe, wie wir hieher gekommen ſind. In Folge jener unſeligen Begebenheiten ſah ich uns alle im Elend: Dagobert und meine Pflegmutter völlig mittellos, die ſanfte Mayeur kaum im Stand, mit einem kargen Lohn ihr Leben zu friſten, Agricola mit der Ausſicht, bald Vater zu werden, mich ſelber meines Pfarr⸗ amts von meinem Biſchof entſetzt, weil ich die Tröſtungen unſerer Religion einem Proteſtanten gegeben und auf dem