ſpannen, hielt er einen Augenblick inne und ließ, die Hand auf dem Joch, das Auge auf demſelben Bild häuslichen Frie— dens ruhen, welches auch meine Aufmerkſamkeit angezogen hatte.
Welche verſchiedene rührende Geſtalten hatte ich vor Augen! Das ehrwürdige Geſicht des Soldaten, die gutmüthige, liebe⸗ volle Miene meiner Pflegmutter, das friſche Antlitz Angelas, welche ihrem Kind zulächelte, den Ausdruck ſanfter Schwer⸗ muth in den Augen der Mayeur, welche von Zeit zu Zeit ihre Lippen auf das blonde Köpfchen von Agricolas munterem Erſtgeborenen drückte, und endlich Agricola ſelber in ſeiner männlichen Schönheit mit dem Gepräge der Ehrlichkeit und Mannhaftigkeit. Bei Betrachtung dieſes Vereins von guten, hingebenden, edlen, einander ſo ſehr liebenden Weſen in der Eeinſamkeit eines kleinen Landgütchens erhob ſich mein Herz
voll Dank zu Gott. Dieſer häusliche Friede, der freundliche Abend, der Blumen- und Waldesduft, von einem leiſen Lüftchen herbeigetragen, die tiefe Stille, nur von dem Rau⸗ ſchen des kleinen Waſſerfalls in der Nähe unterbrochen, — alles das wehte mich gleichſam an mit jener ſanften Rüh⸗ rung, die man nur empfinden, nicht beſchreiben kann. Sie kennen dieſelbe, lieber Freund. Auf Ihren einſamen Gängen über Ihre rothblühenden Haiden am Rand der Tannenwälder finden Sie oft, daß Ihre Augen feucht werden, ohne daß Sie ſich dieſe ſanfte ſchwermüthige Regung erklären könnten,
die auch ich oſt in den herrlichen Nächten in den Einöden Amerikas empfunden habe.
Die Heiterkeit dieſes Gemäldes ward durch einen ſchmerz⸗ lichen Vorfall getrübt. Plötzlich hörte ich meine Pflegmutter rufen: „Lieber Mann, Du weinſt ja!“ Bei dieſen Worten erhoben ſich Angela und die Maheur, Agricola eilte herbei, und alle drei umſtanden beſorgt den alten Kriegsmann. Er richtete den Kopf in die Höhe, ſo daß ich ſehen konnte, wie zwei Thränen aus ſeinen Augen in ſeinen weißen Bart ran⸗ nen. „Es hat nichts zu bedeuten, Kinder,“ ſagte er. „Aber heute iſt der erſte Juni — — und vor vier Jahren — — —“
Er konnte nicht weiter ſprechen. Als er die Hände auf⸗ hob, um ſeine Thränen abzuwiſchen, bemerkte ich, daß er ein Kettchen mit einer Denkmünze in der Hand hielt. Dies war
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