Teil eines Werkes 
10. Band (1844)
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aufzutreiben, und dieſem Mädchen hatte er zur Verſtärkung der Täuſchung die Tracht anlegen laſſen, welche die Frau von St. Dizier, ohne von dieſem Anſchlag zu wiſſen, auf ſein Verlangen ihm beſchrieben hatte als diejenige, in welcher ſie Adriana neben Dſchalma geſehen. Die Dirne Soſia, welche ſich dazu hergegeben, die Rolle Adrianas zu ſpielen, hatte ge⸗ glaubt, die Sache ſei ein Scherz. Agricola hatte in einem von unbekannter Hand geſchriebenen Brief die Aufforderung gefunden, ſich zu einer Zuſammenkunft einzufinden, welche für das Fräulein von Cardoville von großer Wichtigkeit ſein könnte.

Sechzehntes Kapitel.

Eine an drei ſilbernen Ketten von der Decke herabhängende Kugellampe von morgenländiſchem Alabaſter verbreitete ein ſchwaches Licht in dem Schlafgemach Adrianas von Cardoville. Das breite Bett von Elfenbein, mit Perlmutter eingelegt, war halb unſichtbar hinter den Wolkenvorhängen von weißem Muslin und Valenciennes. Auf dem weiß marmornen Ka⸗ min, deſſen Gluth einen rothen Widerſchein auf den Herme⸗ linteppich warf, prangte ein ganzes Beet von Roſencamelien in dem Marmorkorb. Ein angenehmer würziger Duft drang aus dem Badzimmer. Tiefe Stille herrſchte.

Es war eine Stunde vor Mitternacht, als die Elfenbein⸗ rhür, gegenüber der zum Badzimmer führenden, langſam auf⸗ ging, und Dſchalma erſchien, zwei Stunden nachdem er eine Perſon, die er für Adriana hielt, erdolcht hatte. Die Leute des Fräuleins, gewohnt, ihn jeden Tag kommen zu ſehen und nie anzumelden, fanden in ſeinem Beſuch nichts auf⸗ fallendes und ſagten ihrer im Erdgeſchoß beſchäftigten Herr⸗ ſchaft nichts davon. In dem Augenblick, wo er zum erſten Mal dies jungfräuliche Heiligthum betrat, lag eine erzwun⸗

gene Ruhe auf ſeinem Geſicht. Kaum daß eine leichte Bläſſ