herumzugehen, um mir die Steifigkeit aus den Beinen zu bringen.“ Und er ging an der Mauer hin und her.
Nach einigen Augenblicken hörte er das immer näher kom⸗ mende Rollen eines Wagens, der raſch die Anhöhe herauffuhr und bald in einiger Entfernung von der Gartenthür anhielt. „Sieh da!“ ſagte er, „ein herrſchaftliches Fuhrwerk. Kapitale Pferde, die in einem ſolchen Trab den Buckel der Blanche⸗ ſtraße heraufkommen.“ In dieſem Augenblick ſah er einen Mann aus dem eben angekommenen Wgen ſteigen, raſch an die Thür gehen, ſie öffnen, hineingehen und ſie hinter ſich zuſchließen. „Sieh, ſieh! das Ding verwickelt ſich. Einer iſt herausgekommen, ein Andrer geht hinein.“
Mit dieſen Worten näherte er ſich dem fremden Wagen. Er war prächtig beſpannt mit zwei ſchönen ſtarken Pferden. Der Kutſcher in ſeinem Carrick mit zehn Krägen ſaß unbe⸗ weglich, die Peitſche aufrecht, den Stiel aufs rechte Knie ge⸗ ſetzt, wie ſich's gehört.
„Kamerad ein Hundewetter, um prächtige Pferde wie die Eurigen auf einem Fleck ſtehn zu laſſen,“ ſagte der beſcheidene Miethkutſcher zum herrſchaftlichen Automedon. Dieſer blieb ſtumm und ſchien gar nicht zu merken, daß mit ihm geſprochen wurde.
„Er verſteht kein Franzöſiſch, er iſt ein Engländer; das ſteht man gleich an ſeinen Pferden,“ ſagte der Miethkutſcher. Am Schlag ſah er einen rieſigen Bedienten in gelbgrauem Ueberrock mit blauem Kragen und ſilbernen Knöpfen ſtehen. Dieſem ſagte er: „Kamerad, ein Hundewetter, um auf einem Fleck zu ſtehn.“ Der Bediente blieb gleichfalls ſtumm.
„Das ſind zwei Engländer,“ ſagte ſich mit philoſophiſcher Ruhe der Miethkutſcher und wandelte fernerhin auf und ab.
Während es ihm nicht gelingen wollte, ein Geſpräch an⸗ zuknüpfen, war die Unterredung zwiſchen ſeinem vermeint⸗ lichen Deutſchen und dem Mann im Mantel in beſten Zug. Der Letztete ſtand neben dem Wagen, der erſtere war im Wagen ſitzen geblieben und hatte die Hand auf den Schlag gelegt. Die Unterredung wurde in italiäniſcher Sprache ge⸗ führt. Sie hatte ſchon einige Zeit gedauert, als der im Wagen Sitzende ſagte: „Alſo darüber ſind wir einig?“
„Ja, gnädiger Herr,“ erwiderte der Mann im Mantel; „aber nur in dem Fall, wo der Adler zur Schlange würde.“


