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noch übrig, den Zweck all dieſer Ränke zu ergründen. Eine letzte Freude war ihr vorbehalten. Das Glück gibt offene Augen für das Glück Anderer. Aus den letzten Worten der Mayeur errieth Adriana, daß zwiſchen jener und Agri⸗ cola kein Geheimniß mehr obwaltete. Unwillkürlich rief ſie: „Dieſer Tag iſt der ſchönſte meines Lebens. Ich bin nicht allein glücklich!“
Agricola und die Mayeur wandten ſich plötzlich um. „Fräu⸗ lein,“ ſagte der Schmied, „trotz dem Ihnen gegebenen Ver⸗ ſprechen habe ich Magdalenen nicht verhehlen können, daß ich von ihrer Liebe zu mir weiß.“ Und die Mayeur ſagte: „Wie könnt' ich jetzt, da ich vor Agricola nicht mehr wegen meiner Liebe erröthe, ihrethalben vor Ihnen, Fräulein, errs⸗ then? da Sie mir vorhin erſt geſagt haben. Sein Sie ſtolz auf dieſe Liebe, denn ſie iſt edel und rein!“
Die Freude gab der Buckeligen Kraft, ſich zu erheben und ſich auf den Arm Agricola's zu ſtützen. Adriana eilte hinzu, ſchlang einen Arm um ſie, um ſie aufrecht zu halten, und ſagte: „Nur ein Wort zur Entſchuldigung einer Plauder⸗ haftigkeit, die Sie mir vorwerfen können. Wenn ich Ihr Geheimniß dem Herrn Baudoin geſagt habe, ſo iſt es ge⸗ ſchehen —
„Weißt du warum, Magdalene?“ unterbrach Agricola. „Wieder ein Beweis, des zartfühlenden Herzens, welches ſich bei dem Fräulein nie verleugnet. Vor einigen Stunden ſagte ſie mir: Ich habe lange gezögert, Ihnen das Geheimniß an⸗ zuvertrauen, aber ich entſchließe mich dazu. Wir werden Ihre Pflegeſchweſter wiederfinden. Sie ſind der beſte Bru⸗ der für ſie; aber ohne es zu wiſſen und ohne daran zu den⸗ ken, haben Sie die Arme oft ſchwer verletzt. Jetzt wiſſen Sie ihr Geheimniß. Ich verlaſſe mich für die treuliche Be⸗ wahrung desſelben auf Ihr Herz auf Ihren Willen, dem ar⸗ men Kind tauſend Schmerzen zu erſparen, welche um ſo bit⸗ terer ſind, da ſie von Ihnen kommen und ſchweigend erdul⸗ det werden müſſen. Wenn Sie alſo mit ihr von Ihrer Frau, von Ihrem Glück ſprechen, ſo thun Sie es mit ſo viel Schonung, daß dies gute zurtfühlende Herz nicht ſchmerzlich be⸗ rührt wird. — Siehſt du Magdalene, darum hat das Fräulein ſich der Planderhaftigkeit, wie ſie es nennt, ſchuldig gemacht.“


